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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
Entstehung
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Siebenunilzwanzigstes Kapitel: Die Ökonomische Anpassung 407

streben nicht aufgehalten haben. Antwort auf diese Fragen gewährtuns eine Statistik, die nur die Bewegung des Arbeitslohns seies des Nominal-, sei es des Reallohns aufweist, offenbar nicht. Esinteressiert uns in diesem Zusammenhänge noch nicht erst imnächsten Abschnitt tritt diese Seite des Problems in das Licht, obder Arbeiter heute mehr oder weniger an Geld oder Sachgütern erhältals vor hundert Jahren; das heißt, es interessiert uns nicht die absoluteHöhe seines Lohnes. Was wir vielmehr wissen müssen, ist dessen relativeHöhe: relativ zum Unternehmerprofit (dem Mehrwert). Nur wenn wirdieses Beziehungsverhältnis kennen, können wir uns ein Urteil bilden,ob sich die Arbeiterschaft dem Verwertungsbedürfnis des Kapitals an-gepaßt hat oder nicht.

Woher aber eine solche Ziffer nehmen? Soviel ich sehe, sind dieeinzigen, für unsere Zwecke verwertbaren Zahlen diejenigen des amerika-nischen Zensus. Dieser enthält bekanntermaßen Zusammenstellungenmit Bezug auf die gewerbliche Produktion (Manufactures, bis zumZensus von 1889 Handwerk und Fabriken, seitdem nur diese um-fassend) über: 1. die Höhe sämtlicher bezahlten Löhne; 2. die Preiseder von den gewerblichen Produzenten verarbeiteten Roh- und Hilfs-stoffe; 3. den Verkaufswert des gefertigten Produkts. Die Summen von1 und 2 stellen die Kosten dar, die der Unternehmer zu machen hat(zu denen noch dieverschiedenen Kosten, wie Steuern, Versicherungs-prämien usw., hinzutreten, die aber für die früheren Zählungen nichtmitgeteilt sind und die wir deshalb außer Betracht lassen wollen:wir können sie als verhältnismäßig gleichbleibenden Betrag ansehenund mit Null in unsere Rechnung einsetzen). Dann ergibt der Unter-schied zwischen dem Verkaufswert und den Kosten die Höhe desKapitalprofits oder den im Bereiche der gewerblichen Produktion er-zielten Mehrwert. Die Herausgeber des Zensus warnen nun selbst davor,die mitgeteilten Beträge als genauen Ausdruck der verschiedenen Be-standteile des jährlichen Produkts anzusehen. Und gewiß dürfenSchlüsse aus ihrer absoluten Höhe nur mit größter Vorsicht gemachtwerden. Wo es sich dagegen um den Nachweis einer Bewegunghandelt, wie für uns, erscheinen mir die Ziffern, da die Erhebungs-methode seit 1850 im wesentlichen dieselbe geblieben ist, doch sehrwohl geeignet, Aufschluß zu gewähren. Zweifellos weisen sie in ganzgroben Zügen doch richtig die großen Linien der Bewegung auf, dieArbeitslohn und Mehrwert durchgemacht haben. Ich stehe deshalbnicht an, sie als Beweismaterial hier zu verwenden.

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