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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 1 (1927) Die Grundlagen - Der Aufbau
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Achtundzwanzigstes Kapitel: Zur theoretischen Besinnung

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gleich stellten mit der Zusammensetzung des Zusatzkapitals einer Wirt-schaftsperiode, sage eines Jahres. Dieses, wie gesagt, ist nur Lohn-fonds, nur umlaufendes Kapital, seinem absoluten Betrage nach, dernur darum eine immer kleinere Quote des Gesamtkapitals ausmacht,weil zu diesem der Gesamtbetrag des sich stetig vermehrenden festenKapitals ebenfalls gehört. Diese Abnahme ist aber ohne jede Bedeutungfür die jährliche Zusatzsumme, die immer die ganze akkumulierte(und angelegte) Menge umfaßt.

Übrigens ist die Marx sehe Reproduktionstheorie schon vollentwickeltbei Ricardo vorhanden: ,,the demand for labour will continue to increasewith an increase of Capital, but not in proportion to its increase; the ratiowill necessarily be a diminishing ratio. Und dazu die Entgegnung auf eineStelle bei Barton. Siehe Principles Ch. XXXI. Natürlich! Diese Fest-stellung enthält ja eine Selbstverständlichkeit. Aber sie ändert nichts ander entscheidenden Tatsache, daß alles Neukapital zunächst einmalLohnfonds ist.

Also das Ergebnis für die Lösung des hier in Frage stehenden Pro-blems ist dieses: Aus der fortschreitenden Akkumulation das heißtAusweitung der Produktion, heißt erweiterte Reproduktion könnendem Kapitalismus niemals Absatzschwierigkeiten erwachsen, da er dasGegengift immer bei sich hat: so viel Ausdehnung, so viel neue Nachfrage.

Die Sismondischen und Rodbertusschen Ausführungen bedürfenkeiner ausdrücklichen Widerlegung, da sie von einer unverrückbaren Größedes Arbeitslohns und zudem von einem stationären Zustande der Wirtschaftausgehen.

Aber mit dieser Feststellung kann sich eine Theorie der Absatzwegenoch nicht begnügen. Ist es sicher falsch, aus fortschreitender Akkumula-tion im Wesen des Kapitalismus gelegene Schwierigkeiten der Absatz-bildung abzuleiten, so ist noch nicht erwiesen, daß dem Kapitalismussolche Schwierigkeiten nicht von anderswo her erwachsen. Das ist dennauch in der Tat der Fall.

Zunächst liegt für den Kapitalismus eine Gefahr in der Möglichkeit,daß potentielles Kapital nicht in aktuelles verwandelt, also nichtinvestiert wird. Die Gefahr besteht also gerade in der Nicht-akkumulation. In den meisten Fällen tritt aber auch dann keineVerringerung der Nachfrage auf, weil die anders als zur Bezahlungvon Lohnarbeitern verwandten Summen doch nicht als Kaufkraft ver-schwinden. So, wenn der Unternehmer einen Teil seines Kapitals zumAnkauf des Grund und Bodens verwendet, also Grundrente bezahlt.So wenn der Sparer öffentliche Anleihen kauft. Immer wird nach