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Dritter Abschnitt: Der Absatz
letzten hundert Jahre sich etwa verdoppelt habe. Ich halte die Gleich-läufigkeit dieser beiden Entwicklungsreihen für außerordentlich be-weiskräftig und die Erkenntnis, die wir aus ihr gewinnen, für ungemeinwichtig. Die Lohnarbeiterklasse würde danach also auch den gleichenAnteil aus der gesellschaftlichen Produktenmasse jetzt und vor hundertJahren gezogen haben.
Hat sie das wirklich ? Die Annahme ist richtig unter einer bestimmtenVoraussetzung: daß nämlich die Gesamtwertmasse des gesellschaftlichenProdukts während dieses Zeitraums gleichgroß geblieben ist. Das istsie nun aber offenbar nicht. Denn wenn sie es wäre, müßte ja derMehrwert (Profit) in genau demselben Verhältnis wie der Reallohnsich entwickelt haben. Das hat er aber nicht, wie ich das an der Stelle,auf die ich den Leser soeben aufmerksam machte, nachgewiesen habe.Der Mehrwert ist rascher gestiegen als der Arbeitslohn. Daraus müssenwir also den Schluß ziehen, daß die Mehrwertmasse (natürlich immerin ihrem Verhältnis zu der Arbeiterzahl, also, wie wir auch sagen können:die einem einzelnen Arbeiter durchschnittlich entsprechende Mehr-wertmasse) größer geworden ist. Woraus werden wir diese Vergrößerungableiten können? Die nächstliegende Vermutung, daß das Ausmaßder gesellschaftlichen Arbeit während dieser Zeit zugenommen habe,werden wir durch die Tatsachen nicht bestätigt finden: die Stunden-zahl, während welcher, sei es im Lauf eines Tages, sei es einer Woche,sei es eines Jahres, gearbeitet wird, ist sicher nicht größer gewesen imJahre 1913, als sie hundert oder siebzig oder fünfzig Jahre vorher war.So bleibt, scheint mir, nur eine Möglichkeit der Deutung über: derZuwachs der Mehrwertmasse und damit (bei gleich hohem Arbeitslohn)auch die Vergrößerung der Mehrwertrate stammen aus dem außer-kapitalistischen Arbeitsfonds: der Austausch mit nichtkapitalistischenWirtschaften (Bauern, Exoten) ist in jenem Umfange, der die Aus-weitung der Mehrwertmasse bezeichnet, kein Äquivalenztausch ge-wesen: die Kapitalistenklasse hat sich das Erzeugnis der Arbeit jenerElemente um den angegebenen Differenzbetrag imentgeltlich an-geeignet.
Das aber ändert nichts an der Richtigkeit der uns hier allein an-gehenden Tatsache, daß die Kaufkraft der Lohnarbeiter im gleichenVerhältnis zur Ausdehnung der kapitalistischen Produktion gestiegenist. Was die theoretische Deduktion forderte, bestätigt die Entwicklungder historischen Wirtschaft.