Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
Entstehung
Seite
601
Einzelbild herunterladen
 

Siebenunddreißigstes KapitelDie Träger des Bedarfs

f601

(a) durch seine spekulative Nachfrage , wie wir diejenige nennenwollten, die nach Produktionsmitteln stattfindet, wenn diese zur Er-zeugung von Gütern bestimmt sind, von denen man nur annimmt, daßsie dereinst bedurft werden. Alle Ausweitung der Produktion, soweitsie nicht auf unmittelbare Anregung letzter Konsumenten beruht,beruht auf solcher spekulativen Grundlage, und wir müssen uns klarsein, daß damit der Entscheid, was wir konsumieren sollen, in die Handdes Unternehmers gelegt wird. Die Spekulation kann sich auf die Mengeder bedurften Güter beschränken; auch hier bedeutet sie einen erheb-lichen Eingriff in die Bedarfsgestaltung der letzten Konsumenten,deren Bedarfssystem auf diesem Wege offenbar in seinem Aufbau be-einflußt wird, wenn die Nachfrage auf einen Gegenstand hingelenktund nach ihm gesteigert wird, der sonst in geringerem Umfange zumVerzehr gelangt wäre.

Die Spekulation kann sich aber auch auf die Art der bedurftenGüter beziehen, und dann berührt sich diese Form der Einflußnahmedurch den Unternehmer mit einer zweiten,

(b) der Finanzierung neuer Erfindungen. Wir haben, als wiruns das Schicksal der Erfindungen im Zeitalter des Hochkapitalismusvergegenwärtigten, feststellen können, daß im wesentlichen nur solcheErfindungen zur Anerkennung und Durchführung gelangen, von denensich der Geschäftsmann einen Erfolg, das heißt also einen Gewinnverspricht. Die Auslese unter den Erfindungen erfolgt also unter reinkapitalistischem Gesichtspunkte. Wenn dem aber so ist, so werden dochauch nur diejenigen Güter hergestellt, die die Billigung des Unter-nehmers finden, und wir haben so zu essen, uns so zu kleiden, so zureinigen, so unsere Wohnungen zu beleuchten, so unsere Reise zu ge-stalten, so unsere Vergnügungen einzurichten, wie es dem Unternehmerbeliebt. Es ist gar nicht zu ermessen, in wie hohem Grade es dem Ge-schäftsmanne auf diesem Wege gelingt, den Güterbedarf der Mensch-heit, die in dem Bann der kapitalistischen Wirtschaft lebt, nach seinemGutdünken zu gestalten.

Aber die Herrschgewalt des Unternehmers auf dem Gütermarktehat damit ihr Ende noch nicht erreicht. Nicht nur bestimmt er in weitemUmfange, welche Art von Gütern wir bedürfen sollen: er schreibt unsimmer mehr auch vor, in welcher Form wir sie bedürfen sollen. Dastut er

(c) durch seine unmittelbare Beeinflussung der Produktion.und des Absatzes, die er aus irgendwelchen Rentabilitätsinteressen