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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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804 Dritter Abschnitt: Die Gestaltung d. wirtschaftl. Prozesses i. d. Geschichte

Bedenken wir, daß solcherart Bedingungen erfüllt sein mußten,um die Funktionenvereinigung zu ermöglichen, so wird auch alsobaldverständlich, daß die Ausschaltungstendenz ihre Grenzen hat. Sieist keineswegs allgemein. Sowohl der Absatz bestimmter Artikel alsauch der Einkauf und Verkauf in bestimmten Gebieten erfolgt nachwie vor durch die Vermittlung eines oder mehrerer Händler. Die Be-dingungen liegen eben für jeden Fall verschieden, und es hängt vondem Takt des einzelnen Händlers oder Produzenten ab, wie weit erzweckmäßig Zwischenglieder ausschalten kann.Die Lehre vom direktenEinkauf und Verkauf gehört zu den schwierigsten Problemen desHandelsbetriebes. Es gibt hierfür keinen allgemeingültigen Betriebs-grundsatz, es muß in jedem einzelnen Falle untersucht werden, ob dieInanspruchnahme eines Zwischengliedes oder dessen Ausschaltung zweck-mäßiger ist. (S c h ä r.)

Aber wie begrenzt auch immer die Ausschaltungstendenz sein mag,genug: sie ist da und nimmt, trotzdem auch Gegentendenzen vor-handen sind, zweifellos zu. Sie bildet deshalb einen bemerkenswertenZug im Gepräge der hochkapitalistischen Wirtschaft, und die Fragedrängt sich uns auf, welche Bedeutung dieserFunktionenver-einigung beizumessen ist. Diese Bedeutung werden wir nun vor allemdarin zu erblicken haben, daß die geschilderten Vorgänge Anteil habenan demjenigen wichtigen Prozesse, den ich die Entkommerzia-lisierung des Wirtschaftslebens genannt habe.

Aber ehe wir die Bedeutung unserer Ausschaltungstendenz für diesenProzeß bestimmen können, müssen wir noch etwas genauer umschreiben,was wir unter Entkommerzialisierung verstehen wollen. Offenbar näm-lich werden mit dem Worte zwei sehr verschiedene Vorgänge bezeichnet:einerseits nämlich die Beseitigung der berufsmäßigen Händler oder dieVerringerung ihrer Zahl, die Ausschaltung also der Händler funktion:die Enthändlerung; anderseits die Beseitigung der Handelsfunktionselbst: die Enthandelung. In der oben dargestellten Ausschaltungs-tendenz sind nun offenbar diese beiden Vorgänge enthalten, und jenachdem der eine oder der andere vorliegt, ist auch ihre Bedeutungfür die Gestaltung des Wirtschaftslebens verschieden. Folgende Fällesind zu unterscheiden:

(1.) Die Zahl der berufsmäßigen Händler wird verringert, oder diesewerden ganz beseitigt. Dieser Vorgang bietet als solcher nur insofernInteresse, als er uns die Konzentration des Kapitals und die Ratio-nalisierung der Betriebsführung bestätigt.