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3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
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Einundfünfzigstes Kapitel: Die Konzentration

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finden sie am reinsten vertreten in der heutigen kommunistischen Litera-tur, namentlich in den Schriften der russischen Kommunisten, aber auchdie Reformsozialisten hängen ihr zum Teil noch immer an. Danach voll-zieht sicli in der hochkapitalistischen Wirtschaft ganz allgemein eine sostarke Konzentration der Betriebe, daß durch sie der Weiterbestand desherrschenden Wirtschaftssystems gefährdet, gleichzeitig aber die Wirt-schaftsverfassung in einer Weise umgebildet wird, die die Übernahmeder Leitung in der Wirtschaft durch die Gesellschaft sozusagen zueiner Notwendigkeit macht. Diese Ansicht beruht auf der Annahme,daß immer größere Betriebe und eine immer stärkere Zusammenballungder Betriebe zu Wirtschaftseinheiten den kapitalistischen Interessenentsprechen. Diese Verabsolutierung des Konzentrationsgedankens istnun aber ohne Zweifel falsch. Zunächst stehen mit ihr die Tatsachenim Widerspruch. Dann läßt sich aber auch unschwer feststellen, daßdie Konzentration keineswegs in allen Fällen und in jedem beliebigenMaße kapitalistisch-rationell ist. Und endlich wissen wir, daß keines-wegs nur die kapitalistische Ratio die Gestaltung des modernenWirtschaftslebens bestimmt.

Auf diesen Beobachtungen und Erwägungen baut sich die neuerebürgerliche Wissenschaft von der Konzentration auf: ein Erzeugnisder Angst, wie die orthodoxen Marxisten annehmen, vor der unerbittlichsich vollziehenden Auflösung der kapitalistischen Wirtschaft, über dieman sich durch allerhand wissenschaftliche Manöver hinwegzutäuschenversucht; das Ergebnis vertiefter Einsicht, wie wir überzeugt sind.Die Zeit wird lehren, wer recht hat. Einstweilen glauben wirmit guten Gründen den Standpunkt vertreten zu können, daß Marxin wesentlichen Punkten geirrt hat. In wesentlichen Punkten: keines-wegs in allen. Denn daß eine gewaltige Konzentrationsbewegung durchunsere Zeit geht: wer möchte es leugnen? Aber was unser Urteil vondem der Marxisten unterscheidet, ist dieses: daß wir eine Verschieden-heit der Entwicklung in den verschiedenen großen Bereichen des Wirt-schaftslebens und eine solche in der Entwicklung auch der einzelnenProduktionszweige wahrnehmen zu können glauben. Wir suchen aberdiese Verschiedenheit zu erklären mit Hilfe des Begriffes des Betriebs-größenoptimums, das keineswegs überall dasselbe ist. Die Vergrößerungdes Betriebes ist nicht schlechthin rationell, sondern nur bis zu demPunkte, wo sie das Optimum erreicht. Auch dann also, wenn nur rationaleGründe auf die Betriebsgestaltung Einfluß haben, wird die Konzen-tration keine grenzenlose sein und sicher keine gleichmäßige. Außer-