Einundfünfzigstes Kapitel: Die Konzentration
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Diese Ziffern, die die der Gewerbezählungen sind, lehren folgendes:
a) Zweifellos hat im Zeitraum von 1882—1907 in den Gewerbebetriebeneine Konzentration stattgefunden.
b) Diese Konzentration ist aber nur eine Konzentration im weiterenSinne (siehe oben Seite 546), da zwar der Anteil der größeren Betriebean der gesamten gewerblichen Produktion zugenommen hat (und zwargewiß in noch stärkerem Verhältnis, als die Ziffern erkennen lassen), gleich-wohl aber die kleineren und mittleren Betriebe (Handwerk und klein-kapitalistische Unternehmungen) in ihrem Bestände nicht erschüttertsind, vielmehr absolut sich vermehrt haben, die kleinkapitalistischenUnternehmungen (Betriebe mit 6—10 Personen und ein beträchtlicher Teilderjenigen mit 11—50 Personen) der Zahl nach sich sogar verdoppelt undverdreifacht haben. Der Zuwachs, den die Großbetriebe erfahren haben,ist also in seinem ganzen Umfange der Mehrproduktion zu danken.
Der Schwerpunkt des gewerblichen Lebens in Deutschland lag im Jahre1907 noch in den Betrieben unter 50 Personen, in denen 545 von 1000 Per-sonen beschäftigt waren.
Auch in den wichtigsten Zweigen der kapitalistischen Großindustrie,die in der dritten Tabelle unter Ausscheidung der Betriebe unter 11 Personenzusammengestellt sind, ruhte der Schwerpunkt noch in den Betriebenunter 200 Personen; in ihnen waren 49,1 gegen 41,0% in den Betriebenüber 200 Personen beschäftigt.
c) Die Ziffern der zweiten Tabelle lassen erkennen, daß dieses Gesamtbildaus sehr verschiedenartigen Anteilsverhältnissen der einzelnen Gewerbezusammengesetzt ist. Es gibt Gewerbe mit starker und solche mit schwacherKonzentrationstendenz. Wir werden im folgenden diejenigen mit besondersstarker und diejenigen mit besonders schwacher Tendenz gesondert be-trachten.
(2.) Gewerbe mit geringer Konzentrationstendenz:
Folgende 6 Gewerbegruppen beschäftigten im Jahre 1907 weniger alszwei Fünftel ihrer Arbeiter in Großbetrieben (51 und mehr Personen):
Lederindustrie.35,4 %
Industrie der Holz- und Schnitzstoffe .... 22,3%Industrie der Nahrungs- und Genußmittel . . . 21,8%
Bekleidungsgewerbe.12,9%
Künstlerische Gewerbe.11,1%
Reinigungsgewerbe.8,9 %
Sie umfaßten zusammen 3807003 Personen von insgesamt 10852873Gewerbetätigen in Bergbau und Industrie überhaupt.
Stat. d. D. R., Band 220/21, Seite 63*f. Dieser Quelle sind auch allefolgenden Ziffernangaben entnommen. Siehe namentlich die Übersichten 1und 6.
Natürlich weisen auch diese Gewerbegruppen noch sehr verschiedeneEntwicklungsbedingungen in den einzelnen Gewerbeklassen aus: es gibtauch in ihnen Gewerbe mit starker Konzentrationstendenz, wie etwa inder Gruppe „Nahrungs- und Genußmittel“ die Zuckerfabriken und Bier-brauereien. Aber diese Gewerbe vermögen doch nicht die gesamte Gewerbe-
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