Einundfimfzigstes Kapitel: Die Konzentration
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Auch wenn wir in Rücksicht ziehen, daß die Konzentration in Deutsch-land von 1907 bis 1914 zweifellos noch zugenommen hat, dürfen wir dochvermuten, daß sie hinter dem Konzentrationsgrad, wie ihn im Jahre 1914die Vereinigten Staaten erreicht hatten, zurückgeblieben ist.
Der hohe Konzentrationsgrad der amerikanischen Industrie geht wohl.auch aus der Tatsache hervor, daß im Jahre 1914 fast die Hälfte (48,6 %) desgesamten Produktionswertes in Betrieben (wohl auch Verbänden) erzeugtwurde, deren jährliches Erzeugnis den Wert von je 1 Million Dollar überstieg.
Leider ist diese Ziffer mit der keines anderen Landes vergleichbar.
Nun ist es aber eine bekannte Eigenart der amerikanischen Entwicklung,■daß sie früher als die der europäischen Länder zu einer Zusammen-fassung selbständiger Unternehmungen zu Konzernenund auch zur Bildung von Großunternehmungen geführt hat, die in derBetriebsgrößenstatistik des Zensus nicht als Einheiten erfaßt sind. Wirbesitzen nun aber brauchbare Ziffern genug, um auch diesen Teil der Kon-.zentrationsbewegung verfolgen zu können. Zunächst hat sich der Zensusselbst und haben sich seine geschickten Bearbeiter um die Ermittlung derKonzernbildungen, der sogenannten „Combinations“, mit Erfolg bemüht.
Zuerst hat der XII. Zensus (1899) sein Augenmerk auf die „IndustrialCombinations“ gelenkt. Er verstand darunter Wirtschaftseinheiten, dieaus mehreren früher selbständigen Unternehmungen hervorgegangenwaren: „unless it consists of a number of formerly independent mills wliicli.have been brought together into one Company under a charter obtainedfor that purpose.“ Sein Interesse war also ein ausgesprochen genetisches.Ermittelt wurden im Jahre 1900 2040 solcher Combinations, die 1 % sämt-licher Betriebe, aber 8,4% aller Lohnarbeiter und 14,1% des gesamtenProduktionswertes umfaßten.
Dann ist die Zählung erst wiederholt worden im XIV. Zensus (1919).Über deren Absichten und Ergebnisse unterrichtet in vortrefflicherWeise die schon erwähnte Studie von Willard L. Thorp, The inte-gration of industrial Operation. Census Monographs III. 1924. Der Ver-fasser stellt zunächst einmal klar, daß eine Statistik aller Verflechtungs-formen unmöglich ist. „It is impossible to ascertain the many combinationsand alliances among industrial combinations . . . The lines of control con-verge and diverge among economic enterprises in a most intricate pattern.The ties which bind establishments together are often quite imperceptibleto the outside inquirer and too elusive to permit definite statement. Withthe development of the corporate form of ownership the possibilities of the•centralization of control were greatly increased. Of the less apparent com-binations, those resulting from interlocking directorates and interlockingßhareholdings are the subject of frequent discussion. The „gentlemens-agreement“ and „dinner party“ methods of combination have likewiseachieved unpleasant publicity. Such relationships, however, are impossible•of accurate determination or Statistical expression“. Daher: „financial•combination, interlocking directorates, bank control: all such obscureforms of relationship are disregarded.“ Vielmehr: „this is a study — ent-sprechend der Fragestellung des Zensus ■—• of operating combinations.