Einundfünfzigstes Kapitel: Die Konzentration
875
Früher (und zum Teil noch heute) nannte man Bankengruppen solche,die Emissionen gemeinsam zu tätigen pflegten, die also mehr vorüber-gehend in Beziehung zueinander treten.
2. So weit — so gut. Aber was hat das alles mit „Konzen-tration“ im weiteren oder engeren Sinne zu tun? Nichts, solangewir nicht festgestellt haben einerseits das Anteilsverhältnis der größergewordenen Banken am gesamten Kreditverkehr, andererseits dasSchicksal sämtlicher Bankbetriebe.
Leider besitzen wir keine Möglichkeit, den Anteil der großen,mittleren und kleinen Bankbetriebe am gesamten Kredit-verkehr mit Hilfe der „Produktionsziffern“, wie es meist alleinversucht wird, auch nur annäherungsweise zu bestimmen. Erstens auseinem Grunde, der für alle Betriebe gilt: weil wir nämlich „Produktions-ziffern“ nur für eine kleine Anzahl der Banken besitzen, nämlich nurfür die Aktienbanken. Alle die Verhältniszahlen, die wir in den Ab-handlungen über Bankenkon zentration immer wieder finden, geltennur für den Bereich der Aktiengesellschaften. So, wenn man dem„Deutschen Ökonomist“ die Angaben entnimmt, daß die acht BerlinerGroßbanken Ende 1906 80%, Ende 1911 84%, Ende 1913 83,3%,Ende 1914 83,7% „des Gesamtkapitals verwalteten“; oder daß dieLondoner „Big Fives“ (1920) 83% aller Bankdepositen besaßen; oderdaß die vier großen französischen Depositenbanken gar „über mehrals 90% der Gesamtsumme der fremden Gelder aller französischenDepositenbanken“ verfügten.
Sodann aber haftet dem Bankwesen noch der besondere Übelstandan, daß es so mannigfaltige „Produkte“ hat, die wir kaum auf einenNenner, das heißt einen Geldausdruck bringen können. Wir könnenwohl f eststellen, wie hoch der Anteil eines Betriebes oder einer Gruppevon Betrieben an der Kohlenproduktion oder Stahlproduktion, nichtaber, wie hoch der einer Bank am Bankverkehr ist. Denn dieserbesteht aus den Depositen-, den Wechsel-, den Emissions- und anderenGeschäften, die jedes etwas Verschiedenes bedeuten. Selbst wenn mandie Umsatzziffern zugrunde legen wollte (die wir nicht oder nur sehrunvollständig besitzen), würde man zu falschen Schlüssen kommen,wenn man eine einheitliche Anteilsziffer berechnen wollte.
Dagegen könnte man wohl das Kapital, das in den einzelnen Bank-geschäften werbend angelegt ist, zur Berechnungsgrundlage machen.Da sind wir aber bei allen Privatbanken auf Schätzungen angewiesen,die natürlich ungewiß sind. Man könnte immerhin für Deutschland