Vierundfünfzigstes Kapitel: Die Verdichtung der Betriebe
93 »
Aber man hat Mittel und Wege gefunden, nun auch beim Zeitlohndurch die Gestaltung der Lohnsysteme den Arbeiter zur Verausgabungeiner größeren Energiemenge zu veranlassen. Zunächst bieten sichauch beim Zeitlohn die zuletzt beim Akkordlohn erwähnten Möglich-keiten, den Arbeiter zur Mehrarbeit anzureizen: Prämiensystem undPensumsystem können auch mit Zeitlöhnung verbunden sein. Wichtigerscheint mir aber zu sein, daß man in zahlreichen Gewerben mit großemErfolg ein stillschweigendes Pensumsystem (wie man es nennenkönnte) zur Anwendung bringt. Dieses besteht darin, daß man eine-ziemlich hoch bemessene Arbeitsleistung (und dieser entsprechendeMenge Produkte) als Tagesleistung festsetzt, die der Arbeiter erreichenmuß, nötigenfalls er nun nicht wie beim erklärten Pensumsystem eineniedrigere Entlohnung erhält, wohl aber — entlassen wird.
Beispiele für Zeitlohn mit stillschweigendem Pensumsystem:
In der Buchdruckerei werden die Setzer im Zeitlohn beschäftigt, jetler-man ist aber bei Strafe der Entlassung genötigt, ein bestimmtes Quantumtäglich fertig zu bringen (Ausnahmefall ?). In den Werkstätten Ost-Londons ,in denen Böcke angefertigt werden, ist „die Stückarbeit selten“, aber dieMeister bestehen auf der Leistung eines bestimmten Arbeitsquantums, undder Arbeitstag wird, wenn nötig, auf Kosten des Arbeiters verlängert.Im Schiffbau gewähren die Unternehmer den Arbeitern einen außer-gewöhnlich hohen Zeitlohn unter der ausdrücklichen Bedingung, daß sie-mit einer Geschwindigkeit arbeiten, welche den Normalsatz weit übersteigt.
Diese und andere Beispiele bei Bernhard-Schloß, a. a. 0., Seite 6ff.c) Hilfe der Maschinerie
Man hätte wohl trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeiten denAkkordlohn doch in weiterem Umfange, als es tatsächlich geschehenist, zur Anwendung gebracht, wenn mit der fortschreitenden Ausdehnungdes Instrumentalsystems sich nicht die Möglichkeit ergeben hätte, dieEnergieausgabe des Arbeiters nach Wunsch zu steigern ohne jedeUnterstützung durch das Lohnsystem, indem man den Arbeiter einfachzu einem Anhängsel des Instrumentalsystems machte und ihm durchBeschleunigung des automatischen Produktionsvorganges eine be-stimmte Arbeitsintensität abnötigte. Ist der Arbeiter darauf an-gewiesen, einen Automaten zu bedienen, so bestimmt dieser, und nichtder Arbeiter, das Schrittmaß der Arbeit.
Wiederum ist es Marx, der mit zahlreichen Belegen nachgewiesenhat, wie sich das Unternehmertum, zumal seit der Beschränkung derLänge des Arbeitstages, dieses Auskunftsmittels: die Energieausgabe-des Arbeiters durch Beschleunigung des Produktionsprozesses,insonderheit durch Beschleunigung der Maschinen, zu steigern, in