Druckschrift 
3. Das Wirtschaftsleben im Zeitalter des Hochkapitalismus ; 2 (1927) Der Hergang der hochkapitalistischen Wirtschaft : die gesamtwirtschaft ; mit mehreren Namen u. Sachregistern ...
Entstehung
Seite
991
Einzelbild herunterladen
 

Achtundfünfzigstes Kapitel: Die Genossenschaftswirtschaft

991

Landwirtschaftliche Rohstoffgenossenschaften gab es am 1. Januar1912 in Deutschland 2117 mit 205518 Mitgliedern (Stat. Jahrb.);

(2.) die Molkereigenossenschaften, die unter den landwirt-schaftlichenProduktivgenossenschaften die erste Stelle einnehmen.Unter dieser Bezeichnung werden zusammengefaßt:

a) die Meiereigenossenschaften (Buttereien und Käsereien);

h) die Milch-, Milchhandels- oder Milchverkaufsgenossenschaften, dielediglich Milch sammeln, kühlen, reinigen und an groß ere Hän dler abgeben;

. 1 c) Milchmagazine, Milchzentralen der Milchverwertungsgenossen-schaften der Städte, die den Absatz von Milch bezwecken.

Die Zahl der Meiereigenossenschaften betrug (nach dem Stat. Jahrb.)am 1. Januar 1912:

3307 mit 304278 Mitgliedern.

Die erste Molkereigenossenschaft für Käse wurde 1860 im StaateNeuyork errichtet; 1866 gab es dort bereits 500; Epoche machte die Er-findung der Zentrifuge durch den Deutschen Lehfeld im Jahre 1876;1880|die erste Molkereigenossenschaft für Butter. Siehe Edw. A. Pratt,Agricultural Organisation. 1912.

jDie Genossenschaftsmolkereien machten es wünschenswert, auf dieViehproduktion Einfluß zu gewinnen. So entstehen Genossenschaften, dieden Zweck haben

a) die Viehzucht auf wissenschaftliche (Züchtungs-)Grundlage zu stellen;

b) das Vieh gemeinsam zu züchten (Weidegenossenschaften);

c) Kontrolle über die Milch zu üben.

Zuchtvieh- und Weidegenossenschaften gab es (1912) in Deutschland 354 mit 20 271 Mitgliedern;

(3.) die V erwertungsgenossenschaften,die jedoch eine geringereEntwicklung aufweisen. Der Absatz landwirtschaftlicher Genossen-schaften innerhalb des Reichsverbandes betrug (1919) 17,3 Mill. Ztr.,innerhalb des Generalverbandes 8,6 Mill. Ztr. Den größten Umsatzhat die Bayrische Zentraldarlehnskasse, die durch Lagerhäuser, Lager-und Geschäftsstellen an 144 Orten vertreten ist. Über das ganze Reichzerstreut sind Obst-, Gemüse-, Tabak-, Hopfen-, Eierverkaufsgenossen-schaften, in den Weingegenden Winzergenossenschaften.

In Frankreich besorgen den gemeinsamen Bezug landwirtschaftlicherBedarfsartikel die Syndicats professionnels agricoles, deren es im Jahre1907 4000 mit etwa 740 000 Mitgliedern gab, und die für etwa 230 Mill.Frcs. bezogen.

Die größte Ausdehnung hat das landwirtschaftliche Genossenschafts-wesen aber in Dänemark erlangt. Hier bestanden schon im Jahre 1907 bei2 y 2 Mill. Einwohnern 1849 Genossenschaften. Die wichtigsten Gruppensind die Molkerei-, Schlächterei- und Eierverkaufsgenossenschaften,