Achtundfünfzigstes Kapitel: Die Genosseiischaftswirtschaft 997
Dagegen sind die Produktionsgenossenschaften für die Bauern-wirtschaften schon heute von erheblicher Bedeutung. Das giltwenigstens von den Bezugsgenossenschaften und vor allem für dieMolkereigenossenschaften, während die übrigen Verwertungsgenossen-schaften nur einen geringen Anteil am Gesamtabsatz haben.
In Deutschland schätzte man, daß (1913) etwa 2—3% des Ge-treides, 1%—2 % des Schlachtviehs, 1% der Eier auf genossenschaft-lichem Wege vertrieben wurden (Quelle bei Edm. Fischer, a. a. 0.,Seite 320ff.). Dagegen immerhin 15—20% des Weines. Genauere Be-rechnungen sind angestellt für den Anteil der Molkereigenossenschaftenan der gesamten Milchwirtschaft Deutschlands. (Vgl. W. v. Altrock ra. a. 0., Seite 185 und 580.) Danach wurden im Jahre 1913 ermitteltBetriebe mit mehr als 200000 Liter Milch oder Motorenbenutzung:3167 genossenschaftliche Molkereien mit 18379 Arbeitern3320 Privatmolkereien „ 12975 „
Die Mitglieder der Molkereigenossenschaften machten (1912) aller-dings erst 10% der landwirtschaftlichen Betriebe über 2 ha aus; die-Menge der eingelieferten Milch betrug aber 15—16% der Gesamt-milcherzeugung: ein Zeichen, daß die größeren Betriebe stärker anden Genossenschaften beteiligt sind als die kleineren. Von der zurButterbereitung verwendeten Milch bildete die in Molkereien ver-arbeitete ein reichliches Drittel, während die übrigen zwei Drittel zumkleineren Teil in gewerblichen Privatbetrieben, zum größeren Teil inden landwirtschaftlichen Betrieben selbst verarbeitet wurden. (Es istzu vermerken, daß an diesen landwirtschaftlichen Produktionsge-nossenschaften auch die Gutsbetriebe beteiligt sind, wodurch dieseGenossenschaftsart ihr Gepräge als ,,echte“ Genossenschaftsart zumTeil verliert.)
Länder, in denen die landwirtschaftlichen Produktionsgenossen-schaften eine größere Bedeutung haben, sind Frankreich, Ungarn rvor allem aber Dänemark.
Dänemark nimmt eine Sonderstellung ein. Hier entstanden in;rascher Entwicklung (die erste Molkereigenossenschaft wurde 1882:ins Leben gerufen) zahlreiche landwirtschaftliche Verwertungsgenossen-schaften unter dem Drucke der überseeischen Konkurrenz, die Getreide-bau unrentabel machte und zur Viehzucht drängte, deren Erzeugnisse-aber in dem kleinen Lande nur auf dem Wege des Exports zu verwertenwaren. Um diesen zu bewerkstelligen, versuchte man es zuerst mitSammelindustrien, die aber ungeeignet waren, und griff dann zu dem
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