Xeunundfiinfzigstes Kapitel: Die Gemeinwirtschaft
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Über die Entwicklung der deutschen Gaswerke läßt sich folgendes sagen:Als das Geburtsjahr der deutschen Gasversorgungsindustrie ist das Jahr1826 anzusehen, in dem die Städte Hannover und Berlin durch eine englischeGasgesellschaft, die Imperial Continental Gas Association, dieselbe, aufdie Herbert Spencer seine Philosophie zugeschnitten hat, erstmalsmit Gas versorgt wurden. Im Anfang entwickelte sich die deutsche Gas-versorgungsindustrie nur langsam: bis Anfang der 1850er Jahre warenerst 35 Gaswerke in 34 deutschen Städten errichtet. Seitdem machtensie raschere Fortschritte; die Zahl der Gaswerke stieg rasch und erreichteAnfang 1913 1700. Natürlich wuchs die Leistungsfähigkeit der Werkenoch rascher: sie stieg von 44,5 Millionen cbm Gaserzeugung im Jahre 1859auf 1200 Millionen im Jahre 1900 und 2732 Millionen im Jahre 1912. DerWert der Erzeugnisse der deutschen Gaswerke betrug (1912/1913) 503 Mil-lionen Mk. Das Anteilverhältnis der städtischen und privaten Gaswerkean der Gesamterzeugung wird durch folgende Ziffern ausgedrückt:
Von 100
städtisch privat
Anzahl der deutschen Gaswerke. 67 33
Nach der Einwohnerzahl der Städte, in denen die
Gaswerke liegen. 81,2 18,8
Gaserzeugung. 81,7 18,3
Alles nach Friedrich Greine der, Die Wirtschaft der deutschenGaswerke. 1914. Seite 1, 3, 15, 23.
Ich füge hier noch einige Ziffern bei, aus denen die Entwicklung derElektrizitätswerke Deutschlands ersichtlich ist, jenem zweiten großen Be-tätigungsfelde städtischer Betriebe. Der Anfang der Elektrizitätsversorgungliegt, wie man weiß, weniger weit zurück als der der Gasversorgung. DieElektrizitätsversorgung beginnt in Deutschland mit der Gründung der,,Deutschen Edison-Gesellschaft für angewandte Elektrizität“ durch EmilRathenau im Jahre 1883. Bis zum Beginn der 1890er Jahre geschah dieElektrizitätsversorgung fast nur für Beleuchtungszwecke. Zunächst war dieBeleuchtung nur auf die größten Städte beschränkt und auch da nur aufeinzelne, wichtige Gebäulichkeiten; bald aber dehnte sie sich auf bedeuten-dere Häuserblocks aus und erfaßte hierauf in verhältnismäßig kurzer Zeitauch die kleineren Städte und endlich ganze Stadtgebiete. Mit derElektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt a. M. im Jahre 1891 trat inder,Elektrizitätsversorgung ein Wendepunkt ein: von da ab tritt in derVersorgung der Städte mit Elektrizität neben den Gleichstrom auch derWechsel- und hauptsächlich der Drehstrom und damit neben die elek-trische Beleuchtung auch die elektrische Krafterzeugung und der Betriebvon elektrischen Straßenbahnen: erste elektrische Straßenbahn in Halle a. S.
Vor dem Kriege war der Stand der Elektrizitätsversorgungsindustriein Deutschland folgender: sie wurde durch 4100 Elektrizitätswerke be-wirkt. Nach den Feststellungen des Jahres 1911 gab es:
557 Werke als Aktiengesellschaften und G. m. b. H.;
171 Werke als Genossenschaften;
703 Kommunalwerke ;
22 Werke von Kommunal verbänden.