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Viertes Kapitel: Die Entfaltung des Luxus
wissermaßen rechtfertigt, der, so bekannt er auch mit denSchwelgereien von Paris war, dennoch über die Londoner Wollüste erstaunte und behauptete, daß in einem Winter-abende in den Bagnios und Tavernen in London mehr ver-zehrt würde, als die sieben vereinigten Provinzen in sechsMonaten zu ihrem Unterhalt brauchten.“ (Archenholtz.)
Übrigens fehlten auch in Paris die feinen Restaurantsim 18. Jahrhundert keineswegs: die „schicksten“ waren diedes Palais Royal , wie Beauvilliers, Hurö oder die Taverneanglaise 123 . Die Lage im Palais royale, dem Treffpunkt der„Lebewelt“, läßt auf ihren Charakter schließen.
4. Die Hotels sind bis zum Ende des 18. Jahrhundertsebenfalls Luxushotels; ihre Zahl ist daher beschränkt.
In London war das Savoy-Hötel berühmt, das auf dem-selben Platze stand, wo sich heute das bekannte Hotel gleichenNamens erhebt. Was es für ein Ding war, solch ein Hotelin einer aristokratischen Welt, zeigt uns heute noch dasHotel des Reservoirs in Versailles. Das älteste Luxushotelin Europa war wohl der seit Sixtus IV. bestehende „Gasthofzum Bären“ (Locanda dell’ Orso) in Rom.
Es gab nun aber noch einen Ort, wo die wachsendeGroßstadt einen öffentlichen, allen zugänglichen Luxus zurEntfaltung kommen ließ, das war die Stelle, wo die eleganteWelt, lies: die Damenwelt und namentlich wieder Halbweltihre Luxuswaren einzukaufen pflegte; wir müssen deshalb
5. die Läden erwähnen, denen seit der Mitte des 18. Jahr-hunderts mehr und mehr Sorgfalt zugewendet wurde, dieman seit jener Zeit auszuschmücken begann: eine Tatsache,die das Kopfschütteln so biederer Leute wie Daniel Defoe hervorrief 124 .
In seinem „Vollkommenen Handelsmann“ widmet er eineigenes Kapitel diesem Unfug der „eleganten Läden“ (offine shops and fine shows), den eine vernünftig gewordeneNachwelt gar nicht mehr für möglich halten wird. Deshalb