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1 (1913) Luxus und Kapitalismus
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Der Luxus und die Landwirschaft

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Unsere reichen Pflanzer, meint M r C1 a y, kaufen ihreärmeren Nachbarn aus, erweitern ihre Plantagen und dehnenihren Sklavenbestand aus. Die wenigen Reichen, die beikleinerer Profitrate bestehen können, und die imstande sind,ihren verbrannten Feldern einige Ruhe zu geben, treiben sodie vielen unabhängigen Besitzer davon 199 .

Die Zahlenangaben, die wir über die Ausdehnung einzelnerPlantagen besitzen, bestätigen die Richtigkeit dieser all-gemeinen Urteile.

Nach La bat, der ein guter Beobachter war, wurde gegendas Jahr 1700 eine Plantage auf den französischen Antillenauf 350400000 fr. geschätzt 200 . Eine Zuckerplantage, dieAlexander von Humboldt beschreibt 201 , erstreckt sichüber 650 ha Land, auf dem 300 Neger beschäftigt sind, undhat 2000000 Fr. als Anlage gekostet. Eine andere mit 220Sklaven wird auf 35 000 j£ veranschlagt 202 . Im Jahre 1791gab es im französischen Haiti 792 Plantagen, von denen 341im Mittel auf 180000 Fr., 451 auf 230000 Fr. geschätzt wurden,und die mindestens 750000 Meterzentner Zucker im Wertevon mehr als 100 Millionen Frank jährlich ausführten; dieganze Insel war in den Händen einer kleinen Anzahl vonPlantagenbesitzern, les gros habitans genannt, welche einefest zusammenhaltende Herrschaftskaste bildeten 208 .

Von der Ausdehnung der Plantagenwirtschaft selbst undihrer Massenbedeutung machen wir uns am ehesten eine richtigeVorstellung, wenn wir die Menge der in ihr verbrauchtenSklaven in Erfahrung zu bringen suchen. Das ist nicht allzuschwer, da eine annähernd genaue Statistik der Sklaven-bevölkerung wenigstens für das 19. und zum Teil schon fürdas 18. Jahrhundert vorhanden ist. Seinen Höhepunkt er-reicht der Sklavenbetrieb erst kurz vor der Aufhebung derSklaverei, als schon nicht alle Plantagenwirtschaft mehr derProduktion von Luxusgütern diente, als namentlich die Baum-wollsklaven schon für ihre Brüder in Europa den Gespinst-