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178 Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 1761,
die Freyheit. Ist sein Feuer anhaltend genug, daß es unter den Schwie-rigkeiten des Reims nicht erstickt, so reime er. Verlieret sich die Hitzeseines Geistes während der Ausarbeitung, so reime er nickt. Es giebtDichter, welche ihre Starke viel zn lebhaft fühlen, als daß sie sich dermühsamen Kunst untcrwcrffcu sollten, und diese oikoncUt limao lalim-^ rnora. Ihre Werke sind Ansbrüche des sie treibenden Gottes, ciuosnee mulia dies neo inulla Iltui-a coercuit. Es giebt audrc, welcheHoraz tanos nennt, und welche nur allzuviel Demokrite jetziger ZeitHelicone excluäunt. Sie wissen sich nicht in den Grad der Begei-sterung zu setzen, welcher jenen eigen ist, sie wissen sich aber in demje-nigen länger zu erhalten, in welchem sie einmal sind. Durch Genauig-keit und immer gleiche mäßige Lebhaftigkeit ersetzen sie die blendendenSchönheilen eines auffahrenden Feuers, welche nichts als eine unfrucht-bare Bewunderung erwecken. Es ist schwer zu sagen, welche den Vor-zug verdienen. Sie sind beyde groß, und beyde unterscheiden sich un-endlich von den mittelmäßigen Köpfen, welchen weder die Reime eineGelegenheit zur fleißigern Ausa.beitung noch die abgcschaftcn Reimeeine Gelegenheit desto feuriger zu bleiben, sind. In welche Klasse derVerfasser der angeführten Oden, Lieder und Erzehlungen gehöre, magman aus diesen kleinen Proben errathen.
An die Unzufriedne.
Seine Mutter bat der Mond
Um ein Kleid, das ihm gut stünde,
Doch die Mutter sprach zum Kinde:
Bist du nicht bald groß und rund,
Bald auch klein und rauch von Ecken,
Welches Kleid wird dich gnt decken?
Das Herz des Menschen ist bald groß, bald klein,Und nie wird es beständig seyn.Gott kann ihn durch kein Schicksal kleiden lassen.Nie wird sein Znstand auf ihn passen.
Vvein und Liebe.Unterm Spiel der LiebeDacht ich an das Kelchglas,Und ich trank das Kelchglas,linterm Lcrm der Gläser