IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs
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Ich denke zunächst an die Herstellung gußeisernerErzeugnisse zweiter Schmelzung, die sich seit dem17. Jahrhunderte einbürgerte, und deren grundsätzliche Be-deutung vor allem darin bestand, daß bei dem Umschmelzenvon Guß- und Roheisen in den Flammöfen zuerst die Ver-wendung von Steinkohle als Brennmaterial glückte,lange ehe es gelang, Eisenerze mit ihrer Hilfe zu schmelzen.Allerdings taugte das Flammofenschmelzen nicht für alle Artenvon Gußwaren, aber gute Kanonenrohre konnte man damit her-steilen. Und das war die Hauptsache. Der Zusammenhangzwischen dem wichtigsten Fortschritt in der Eisenvei'arbeitungund dem Heeresbedarf liegt offensichtlich zutage. Der besteKenner dieser Dinge urteilt denn auch wie folgt 209 : „DerGeschützguß hat mit am meisten zur Förderung der Technikder Eisengießerei beigetragen; er gab auch die Veranlassungzur Einführung des Flammofenschmelzens.“
Ebenso bedeutsam für die Entwicklung der Eisenindustriewar die Verbesserung der eigentlichen Werkzeugmaschinenzur Bearbeitung des Eisens, namentlich der Bohr- undDrehbänke: Dampfmaschine und Zylindergebläse waren inihrer Wirksamkeit abhängig von der Möglichkeit, großeZylinder auszubohren. In dieser Kunst waren gegen dasEnde des 18. Jahrhunderts die Engländer allen übrigenNationen voran, und diese Überlegenheit hatten sie sich beider Kanonenherstellung erworben: „Die Metallbohr- undDrehbänke haben ihre Entwicklung zunächst derGeschützfabrikation zu verdanken. Das Ausbohrender Kanonen war das Problem, an dem sich die Bohrkunsthauptsächlich entwickelt hat“ (Beck). Schon im 16. Jahr-hundert hat Biringuccio in seiner Pirotecnica das Aus-bohren der Kanonen mit Hilfe eines Wasserrades beschrieben.Die von ihm dargestellte Bohrmaschine, die schon horizontalbohrte, ist dann mehrfach verbessert worden und wurde im
18. Jahrhundert von dem Schweizer Maritz zu der Vollendung
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