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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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Landarbeiter und innere Kolonisation.

Auf der Tagesordnung für die Generalversammlung des Vereins fürSozialpolitik (i8g3) stehen folgende Gegenstände:

1. Die ländliche Arbeiterfrage und die deutschen Binnenwande-rungen; und

2 . Die Bodenbesitzverteilung und die Sicherung der Kleingrund-besitzer.

Mir ist die ehrenvolle Aufgabe zuteil geworden, unsere Verhand-lungen durch einen Vortrag einzuleiten; offenbar ist es geschehen, weildie aufgeworfenen Fragen für mich das höchste Interesse darbieten;denn ich habe viel Mühe darauf verwendet, die Entstehung der heutigenZustände aufzuklären. Daß ich aber ein hervorragender Kenner derGegenwart wäre, kann ich angesichts der neueren Untersuchungen nichtmehr behaupten. Durch die erfolgreiche Bemühung unseres Vorsitzen-den, Herrn Professor Dr. Schmoll er, sowie durch die unermüdlicheBeihilfe des Vortragenden Bates des landwirtschaftlichen Ministeriums,Herrn Geheimrat Dr. Thiel, endlich durch die sachkundigen Vorberei-tungen des Herrn Professor Dr. Sering ist es, wie Sie wissen, gelungen,eine Beihe von Drucksachen herzustellen, durch welche vollkommenneue Grundlagen für unsere Verhandlungen gewonnen sind. Keine Ver-sammlung unseres Vereins war jemals so gut vorbereitet, ja es dürfteüberhaupt nicht oft dagewesen sein, daß irgendeine Verhandlung überöffentliche Angelegenheiten einen solchen wissenschaftlichen Unterbauerhalten hätte, wie er uns heute zur Verfügung steht. Die Drucksachenumfassen vier Bände, die in der Reihe unserer Schriften die Nummern53, 54. 55 und 56 tragen, Bände, von denen der dünnste über 3ooSeiten, der dickste fast goo Seiten zählt.

Von diesen vier Bänden beschäftigen sich drei mit den .Verhält-nissen der Landarbeiter in Deutschland . Alles, was darin steht, gründetsich auf freiwillig beantwortete Fragebogen, die zu Tausenden aus-gesendet worden sind. Zahllose hervorragende Landwirte haben sich inallen Gegenden unseres Vaterlandes bereit gefunden, in mühsamer Arbeitdie an sie gerichteten Fragen zu beantworten. Unser Verein schuldet allendiesen Männern den wärmsten Dank, und es tut uns leid, daß wir hier