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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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IV. Geldtlieorie.

Von 1857 bis i 85 g haben die Österreicher mit Recht die Silber-währung wieder hergestellt; allerdings kam sie bald wieder in Zerfall;aber halten wir jene beiden Jahre einmal fest. Es war die Zeit der Re-formen des Freiherrn von Rruck. Metallistisch lautet die Regründungso: die österreichische Werteinheit muß definierbar werden als eine be-stimmte Menge Silbers; daher schlagen wir neue silberne Guldenstücke,45 aus dem Pfund fein; und der Staat bezahlt damit, auf Verlangen.Also Einlösbarkeit der Ranknoten. Alsdann wird sich der Wechselkursauf deutsche Plätze so stellen, daß der Gulden auf der Rörse stets zu% Talern zu haben ist. Der Erfolg trat i 858 wirklich ein. Also haben dieSilbermetallisten praktisch recht gehabt.

Die Staatliche Theorie sagt aber so: das Wichtigste an der Reformist, daß der Gulden österreichischer Währung auf den Rörsen stets denKurs von 2/ g Talern habe. Das habt ihr auf euere Weise erreicht durchdas Mittel der Rarzahlung. Das war ein wirksames, also ein gutes Mittel;aber jedes andere Mittel wäre, bei gleichem Erfolge, auch zulässig ge-wesen. Vielleicht gibt es solche andere Mittel; und wenn nicht, so istdoch euere Regründung falsch gewesen; denn die metallislische Defi-nition des Guldens ist deshalb falsch, weil sie für die Zeit vor 1857 völligversagt. Ihr habt jene Definition nur deshalb aufgestellt, um die Rar-zahlung dadurch zu empfehlen. Praktisch wirksam war es, aber euereTheorie war zu eng.

Im Jahre 1892 war in Österreich wieder eine Neuordnung des Geld-wesens nötig. Da haben die Metallisten gesagt: Gehen wir zur Gold-währung über! Schaffen wir Goldstücke an, und zwar aus dem Pfundfein 3280 Kronen, das ist halbe Gulden. Mit diesen Goldstücken solldann bezahlt werden. Die Ranknoten sollen auf Verlangen in dem goldenenKronengeld einlösbar sein. Die Werteinheit Krone soll also nun me-tallislisch definiert werden als eine gewisse Gewichtsmenge Goldes.

Aber früher sollte doch das Silber zugrunde gelegt werden; weshalbdenn jetzt auf einmal Gold? Antwort der Metallisten: Das Silber ist in-zwischen unbrauchbar geworden. Nur das Gold hat innerlich die er-forderlichen Eigenschaften. Dem Silber war es inzwischen begegnet, vonder Rachitis befallen zu werden, wie manchmal gesunde Kinder ihregeraden Glieder verlieren. Jetzt glauben wir Metallisten nur an das Gold.

Sie sagen ferner: Dann werden wir gegen Deutschland feste Wechsel-kurse haben; es sei von nun an der Guklenkurs auf den Rörsen 1,70Mk.

Die Staatliche Theorie sagt hingegen so: Ihr wollt in Österreich