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Einführung in einige Hauptgebiete der Nationalökonomie : siebenundzwanzig Beiträge zur Sozialwissenschaft / von Georg Friedrich Knapp
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IV. Geldtheorie.

Oder folgt der Staat etwa nur in untergeordneter Stellung dem Volk'gleichsam als bloßer Redakteur der im Volk durchgedrungenen Ideen?Fast sollte man glauben, daß dies die Meinung der Metallisten sei. MeineAuffassung ist es nicht. In der Theorie des Geldwesens muß man ganzauf den neuen Boden treten, welcher das Studium des wirklich gegebenenVerwaltungsrechtes der wichtigen Staaten ist. Sehr unbequem in der Tat!Wie viel bequemer ist doch das zeitlose und ortlose Wesen der Popular-philosöphie, das unsere Zuhörer so gern haben! Aber wer nimmt es nochernst? Nur diejenigen, die nichts anderes kennen oder können.

Vielleicht gibt man nach und nach zu, daß die Staatliche Theorieeine leidliche Systematisierung der Geldverfassungen darbiete; das seiaber nur ein formaler Vorzug, eine juristisch verlockende Behandlung,die aber ganz und gar die volkwirtschaftliche Behandlung beiseite liegenlasse. Der Volkswirt will sächliche Wahrheiten; er könne mit Formalis-mus nichts anfangen, sagt er.

Das ist nun allerdings wahr, daß die Volkswirtschaftslehre sich nichtauf die Geldlehre beschränkt; außer dem Wesen des Geldes muß auchzur Sprache kommen, wie die Geldwirtschaft wirkt. Man will über dieNatur der Bankgeschäfte unterrichtet sein, man will wissen, was derWechsel verkehr bedeutet, oder warum diese oder jene Diskontopolitikgetrieben wird. Natürlich soll das geschehen; aber das rechtfertigt nicht,beim Wesen des Geldes auf popularphilosophischer Grundlage zu ver-harren, als ob es dem Volkswirtschaftler erlaubt sei, hier mit völligunzureichenden Mitteln zu arbeiten. Die Theorie des Geldes ist ohne das,was man Formalismus nennt, gar nicht darstellbar.

Vor allem aber bedenke man dies: so formalistisch die StaatlicheTheorie des Geldes sein mag sie ist nicht bloß formalistisch, sondernsie enthält den politischen Grundgedanken, der sich mehr und mehrals eigentlicher Inhalt der Währungspolitik herausbildet. Was ist nundieser Grundgedanke?

In neuerer Zeit wollen alle Staaten dasselbe; sie wollen Befestigungdes intervalutarischen Kurses gegen die wirtschaftlich wichtigen Nachbar-länder. Es soll also zum Beispiel in Deutschland einen möglichst festenKurs für den französischen Franken, für das englische Pfund Sterlinggeben. Dies ist nicht nur bequem für den Handel, es ist auch rätlich'weeren der Unlerbringrunsr von Staatsanleihen. Man denke nur daran, wie