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V. Lehrer und Freunde.
wurde mitunter von hervorragenden Gästen besucht. Auch das HausEngels stand uns offen, es war durch und durch anspruchslos undgemütlich. Die Kinder waren damals noch unerwachsen. Jedermannfühlte heraus, daß es eine ungewöhnlich glückliche Ehe war, was uns miterhöhter Achtung erfüllte; und wir freuten uns, wenn wir hie und dadie Frau oder die Kinder in dem Garten begrüßen konnten, der seitdemlängst durch Neubauten verschlungen ist.
Von allen Mitgliedern des Seminars war wohl A. Held derjenige,den Engel am meisten geliebt hat, und doch war Held gar keine statisti-sche Natur, machte sogar nie den leisesten Versuch nach dieser Richtung.Es bestand eine rein persönliche Zuneigung, verstärkt durch den gemein-samen Zug zwanglosen Wohlwollens gegen alle, vielleicht auch durchbeiderseitige Schätzung enzyklopädischer Studien.
Aber auch anders geartete Naturen, die auf kleinere Arbeitsgebieteviel Kraft verwendeten, haben Engels liebenswürdige Unterstützung hochzu rühmen gewußt; man vergleiche das Vorwort zu L. Brentanos .„Ar-beitergilden der Gegenwart“.
Denn das Seminar war für die jungen Gelehrten ein Ort der An-regung, eine Arbeitsgelegenheit, ein geselliger Mittelpunkt Gleich-strebender; es war aber auch ein neues Feldgeschrei für den Unterlichtund ein neues Banner für die Forschung.
Es war eine pädagogische Tat, junge Gelehrte aus ihrer Vereinzelungherauszureißen, ihnen Gelegenheit gegenseitigen Kennenlernens undSelbstbeurteilens zu verschaffen und sie in lebendigen Verkehr mitLehrern zu versetzen. Auch selber lehren durften sie hie und da, natür-lich nur auf Grund von Verabredung und Vorbereitung, etwa als Ersatzbei Verhinderung der Lehrer. So begreift sich’s, daß auch unstatistischeNaturen gern und mit Vorteil dort gewesen sind.
Aber auch im Auf werfen des statistischen Banners lag eine sehrbedeutsame Leistung, die, weil sie ihren Dienst getan hat, heute nichtmehr so lebhaft empfunden wird. Aller Universilätsunterricht in diesenFächern beruhte damals auf einer Begriffsdogmatik, wie sie dem so-genannten gesunden Menschenverstand der Engländer des achtzehntenJahrhunderts angemessen war. Dies dürre Lehrgebäude war veraltet, allessehnte sich nach neuem Inhalt. Davon bot sich zweierlei dar: Geschichteund Statistik. Die Bewegung für Wirtschaftsgeschichte (obgleichRoschers Werke schon bestanden) brach erst später los; während esEngels Verdienst ist, die Statistik damals in die Höhe gehoben, in den