340 V. Lehrer und Freunde.
suchte ihn von Zeit zu Zeit heimlich in Heidelberg ; er gab mir dann,weitere Anleitung und versah mich von neuem mit Werken aus seinerBibliothek. Insbesondere beschäftigte ich mich mit Finanzwissenschaft,worüber ich noch nicht Vorlesungen gehört hatte. Einen Stützpunkt inWeinheim selber fand ich in dem Herrn von Babo, einem ausgezeich-neten, wissenschaftlich gebildeten Landwirt.“ Er besaß in Weinheim Weinberge und im benachbarten Ladenburg ein Landgut. „Jeden Sonn-abend fuhr er zur Inspizierung hinüber und nahm mich mit.“
„Nun regte sich aber in mir der Wunsch, in die Kenntnis des land-wirtschaftlichen Betriebes durch den Sommeraufenthalt auf einem Land-gute als Eleve eines wissenschaftlich und praktisch gebildeten Prinzipalsgründlicher einzudringen, selbstverständlich nur für das Bedürfnis einesKameralisten, da ich nicht praktischer Landwirt werden wollte undkonnte.“
Es geschah mit Erfolg bei Herrn Walz auf dem Schweizerhof beiEllwangen .
Von da kehrte Ilanssen nach Hamburg zurück, zu seinem FreundePalm; beide fanden nun an der Universität Kiel Aufnahme, im Oktober1829.
„Ich hörte nur die Vorlesungen des würdigen Etatsrats Niemann überdie Statistik der Herzogtümer; er hielt auch nur diese; er war mir aberfür meine Privatstudien sehr behilflich, faßte Vertrauen zu meiner Ent-wicklungsfähigkeit und sah gerne, daß ich ihn oft besuchte und mirmündliche Belehrung erbat.
Vorzugsweise beschäftigte ich mich mit der historischen, statistischenimd staatsrechtlichen Literatur der Herzogtümer.“
Es folgt dann eine Studienreise nach Fehmarn , mitten im Winter.Einen Aufsatz über die Beobachtungen überreichte Hanssen seinemLehrer Niemann. „Dieser beurteilte die Arbeit so günstig, daß er zumeiner großen Überraschung den Ausspruch tat: ,Sie müssen einmalmein Nachfolger werden 1 .“
So beschloß Hanssen, mit solchen statistischen Forschungen in seinerHeimat fortzufahren.
Im Sommer i83o war er mit kleinen Beisen in der Heimat beschäftigt.„Mein Mentor war der Schullehrer Rixen in Clausdorf, das zu einemgräflich Baudissinischen Gute gehörte. Rixen war hier schon angestellt,als der Gutsherr die Leibeigenschaft gegen Ende des vorigen oder zuAnfang dieses Jahrhunderts aufhob, die Bauernstellen regulierte, die
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