404 Aus der Berlinischen Zeitung vom I, 1763.
in Halle bey Gcbauern unter folgender Aufschrift gedruckt sind: Sa-muel Gotthold Langens Schreiben an den Verfasser der ge-lehrten Artickel in dem Hamburgischen Correspondenten wegender im 178 und 179sten Stücke eingedruckten Beurtheilung derUeberseyung des Horay. Der .Herr Pastor Lauge hat mir darin-nen die ehre angethan, auf meine Critik zu antworten; und sich dieSchande, cS auf eine so abgeschmackte Art zu thun, daß nichts darü-ber geht. Indem er seine Fehler entschuldigen will, macht er neue,einen über den andern, Sie scheinen mir unter sich zu wetteifern,welche ihn am lächerlichsten machen können; und es gelingt ihnen sogut, daß ich einige Tage Bedenkzeit haben muß, wcuu ich den Aus-spruch thun soll. Ein einziger Punkt ist es, über welchen ich michnicht zeitig genug erklären ka». Was ich mir nie von einem vernünf-tige» Manne, geschweige von einem Geistlichen vermuthet hätte, mußich von ihm erfahren, von ihm, der meine Vermuthung nicht das er-stemal übcrtrift. vr greift meinen moralischen Charakter an, auf wel-chen cS bey grammatikalischen Streitigkeiten, sollte ich meinen, nichtankäme. (5r giebt mir auf der SZten Seite einen recht abscheulichenAnstrich; er macht mich zu einem critischcn Brcteur, welcher die Schrift-steller herausfordert, damit sie ihm die AuSfodcruug abkaufen sollen.Ich weis hierauf nichts zu antworten als dieses- daß ich hier vor al-ler Welt den Herrn Prediger Lange für den boßhaftcstcu Lcrleumdcrerkläre, wenn er mir die auf der angeführten Seite gemachte Beschul-digung nicht beweiset. Ich lege ihm eine Unmöglichkeit auf; mir aberist das Gegentheil zn erhärten eine Kleinigkeit; und zwar durch dasschriftliche Zeugniß eben des dritten Mannes, auf welchen er sich be-ruft. Ich will cS in mcmcr Antwort der Welt vorlegen, und manwird daraus erkennen, daß mir die angcmuthcte Niederträchtigkeit niein den Sinn gekommen ist. Ich bin bis dahin sein Diener.
Gotthold Ephraim Lcßing .(29. Tee.) Zu dem iiistchcuccn neuen Jahre wird es wohl nichtundienlich seyn, eine Leipziger Galanterie bekannt zu machen, durchwelche man eine kalte Mode wenigstens in einen Scherz verwandelnkan. Vs sind satirische und moralische Neujahrswünsche; an derZahl vier Dutzend, zwey für Mannspersonen und zwey für Frauenzim-mer. Sie sind in Form einer Spielkarte, aus der man sich ein Blattnach Belieben zieht, und allenfalls den darauf enthaltenen Spruch als