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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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gebiet unserer Wissenschaft anders abzugrenzen, als es gewöhnlichgeschieht. Spann 8 definiert Wirtschaft als einenInbegriff vonMitteln für Ziele (liesZwecke). Er ist an der Hand dieserBegriffsbestimmung dann genötigt, die entlegensten Gebiete in denBereich der nationalökonomischen Untersuchungen einzubeziehen;denn was kann nicht alles gelegentlichMittel werden? Aber auchdas, was seiner Natur nach nur Mittel sein kann (Spann nennt es dasreine Mittel), ist so heterogener Natur, daß es unmöglich von einerWissenschaft umfaßt werden kann. So würde z. B. alle Politik, alleErziehung zum Untersuchungsgebiet der Nationalökonomie gehören.Annehmbar ist die Begriffsbestimmung Spanns nur, wenn wir denBegriff desMittels auf Sachgüter einschränken. Aber dann ist ihrdie Spitze abgebrochen.

Zudem enthält der Begriffreines Mittel eine unberechtigte, meta-physische Bedeutung. Warum ist Wirtschaft nur Mittel undnicht auch Kultur zweck?Im Schweiße deines Angesichts sollstdu dein Brot essen! Warum ist nur Wirtschaft Mittel, nicht etwaauch der Staat, wie viele vermeinen?

Übrigens ist Spanns liebenswürdige Auffassung in einer anderenHinsicht typisch für diejenige zahlreicher Theoretiker durch dasihnen selber nicht zum Bewußtsein kommende Schwanken zwischeneiner Bestimmung des BegriffesWirtschaft nach materialen undnach formalen Merkmalen. Während unser Autor nämlich mit allernur wünschbaren Entschiedenheit im Anfang einen objektivistischenStandpunkt vertritt (alle Wirtschaft meint Gesellschaft; alle Wir-schaflsbetrachlung führt zu gesellschaftlichen Voraussetzungen),wandelt sich im Verlauf der Darstellung der BegriffWirtschaftganz unmerklich in den BegriffWirtschaftlichkeit, und plötzlicherfahren wir, daß der Gegensatz von Wirtschaft Unwirtschaft-lichkeit sei.Wirtschaft ist der Unwirtschaft (= Unwirtschaftlich-keit) gegenüber ein Gattungsbegriff. Was aber, so fragen wirerstaunt, hat der BegriffUnwirtschaftlichkeit und sonach seinGegensatzWirtschaftlichkeit, alsoWirtschaft, in diesem Sinnenoch mitGesellschaft zu tun?

8 Othmar Spann, Fundamente der Volkswirtschaftslehre. 1918. 4 . Aufl.

1929. 9 Othmar Spann , a. a. 0 . S. 3 und 56 .