tiger und mannigfaltiger wir etwas produzieren, ausführen können,desto besser wissen wir es. Wir wissen es vollkommen, wenn wires überall, und auf alle Art, mitteilen, erregen können
Die ebenso tiefe Einsicht aber, daß Gleiches nur durch Gleiches— Geist durch Geist — erkannt werden kann, soll Empedokles zuerst ausgesprochen haben, von dem sie Goethe aufnahm 79 . Es istdie Weisheit, die auch Paulus verkündet, wenn er an die Korintherim ersten Buche, Kapitel 2 , Vers n schreibt: „tu; yap oTSev <xv0pd>-7ucov Ta toü av0pco7tou ei pi) tö 7t v s ü p a toü dv0pa>7tou tö e v aÜTto ;outco? xat Ta toü 0soü ouSe'i? lyvcoxev ei pi) to zcveüpa toü 0eoü;“was freihch in höhere Sphären weist, in die wir nicht zu strebenwagen; aber es gilt doch in gleichem Sinne auch für die Niederungender menschlichen Kultur, die Geist von unserem Geist ist und darumvon uns verstanden werden kann. Daß auf dieser Einsicht die Lehrevom Verstehen ruht, das dadurch gleichzeitig in seinem Geltungs-bereiche abgegrenzt wird, hat man eingesehen, als man in der neuerenZeit diese Erkenntnisart zu entwickeln begann. So heißt es schonhei Ast: „Alles Verstehen gründet in der inneren Beziehung, inder Verwandtschaft, in der alles Geistige steht, und nur, was ausdem Geiste ist, verstehen •wir, wie wir ja im 1 Geiste verstehen.“Wilhelm von Humboldt und Schleiermacher haben dann diesenGedanken zum Leitgedanken gemacht. Es ist kein anderer als der„Humanitätsgedanke“, den ja schon Herder in den Mittelpunktseiner Geschichtsbetrachtung gestellt hatte; der Gedanke: „daß inallem, was menschlich ist und vom Menschen getan und geschaffenwurde, die gleiche überdies bildsame Anlage sich auswirke“ (W.von Humboldt) , und daß „wo keine Gemeinschaft (in dem wei-teren Sinne von menschlicher Gemeinschaft überhaupt) vorhandenist, ... es auch keinen Anknüpfungspunkt für das Verstehen geben“könne (Schleiermacher) 80 .
Wissenschaftliche Wahrheiten werden zwar nicht erwiesen durchpersönliche Zeugnisse der Zustimmung. Aber es ist immer erfreu-
79 Goethe, Materialien zur Geschichte der Farbenlehre. 1 . Abt. Griechen undRömer.
80 Vgl. Joach. Wach, a. a. 0.