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Wiederum einfach zu bestimmen ist das Wesen desjenigen Sinn-zusammenhanges, den ich als
3. Beziehungszusammenhang bezeichnen wollte. Ich verstehedarunter eine als Einheit gedachte Masse von Erscheinungen oder— was dasselbe ist — einen Inbegriff von Erscheinungen, zwischendenen bestimmte Beziehungen (Abhängigkeiten) obwalten, ohne daßein Stilzusammenhang oder gar ein Zweckzusammenhang besteht.Die Einheit („Ganzheit“) ist also nicht real, sondern ideal, sie bestehtnur in unserem Denken. Hierhin gehören z. B. alle weltwirtschaft-lichen Beziehungen. Zweifellos bringen sie Abhängigkeiten, Be-stimmungen eines Tatbestandes durch einen anderen hervor: einerschlechten Ernte in den Vereinigten Staaten entspricht ein vermehrterWeizenanhau in Argentinien; die Industrialisierung der Bodenländerlegt die Industrie Westeuropas still; mit der Vermehrung der Geld-produktion ist (zuweilen) eine allgemeine Preissteigerung verbundenusw. Aber — es liegt kein einheitlicher Zweck der Beziehungen zu-grunde und die einzelnen Erscheinungen erhalten auch nicht ihren„Sinn“ von dem (rein fiktiven) Ganzen: man sieht keiner weltwirt-schaftlichen Beziehung an, daß es eine solche ist.
Wie die „Weltwirtschaft “ als Ganzes ein bloßes Beziehungsgebildeist, so auch beliebig viele Unter-Einheiten, die in ihr enthalten sind:eine Weltindustrie, der Markt eines Welthandelsgutes usw. Und eben-so viele Beziehungszusammenhänge lassen sich im Innern der Volks-wirtschaften bilden: die Baumwollindustrie Englands , der mittel-deutsche Kohlenhandel, die ostpreußische Landwirtschaft usw. Allesdies sind Sinnzusammenhänge, aber Sinnzusammenhänge letztenGrades sozusagen: Beziehungszusammenhänge.
Eine bis heute unausgetragene Frage ist die nach der Natur derVolkswirtschaft. Daß sie einen Sinnzusammenhang bildet, dürftenicht zweifelhaft sein; aber welchen Grades? Ein Zweckzusammen-hang ist sie nur als kommunistische Volkswirtschaft. Aber ist dieverkehrswirtschaftlich organisierte Volkswirtschaft ein Stilzusammen-hang oder ein bloßer Beziehungszusammenhang, ist sie eine Realitätoder eine Fiktion?
Die Meinungen sind geteilt. Um nui' einige der bekanntenNationalökonomen anzuführen, so entscheiden sich Ad. Wagner,