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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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des Staates und wohlgemerkt: nur dank dieser. Der Staat schaffteine einheitliche Wirtschaftsordnung, der Staat regelt durch seineGeld- oder Handelspolitik die wirtschaftlichen Vorgänge, der Staatbeeinflußt die Wirtschaft in einer ganz bestimmten Richtung durchseine Finanzen usw. Wenn ich gleichwohl Bedenken trage, die Volks-wirtschaft für einen Stilzusammenhang zu halten, so tue ich es des-halb, weil ich das entscheidende Merkmal dieses Zusammenhangs ver-misse: die Sinnbezogenheit aller einzelnen Tatbestände und Vorgängeauf eine Einheit. Die wirtschaftlichen Einrichtungen und Handlungeninnerhalb einer Volkswirtschaft bekommen ihren Sinn nicht vondieser aus dem einfachen Grunde, weil die Volkswirtschaft selbstgar keinen einheitlich bestimmten Sinn hat. Zwar bestehen tausend-fache Beziehungen zwischen den einzelnen Wirtschaften, aberdiese bestehen ebenso zwischen den Wirtschaften, die verschie-denen Volkswirtschaften angehören. Man sieht einer wirtschaft-lichen Vornahme nicht an, daß sie in einer bestimmten Volks-wirtschaft sich abspielt, wie man es ihr ansieht, daß sie in einembestimmten Wirtschaftssysteme erfolgt. Das Arbitragegeschäft istzwar streng sinnbezogen auf das kapitalistische Wirtschaftssystem,aber nicht sinnbezogen auf eine bestimmte Volkswirtschaft: man siehtihm nicht an, ob es an der Berliner oder an der Londoner Börse ab-geschlossen ist. ,

Der Unterschied stammt daher, daß zwar das Wirtschaftssystemsachbestimmt ist, die Volkswirtschaft aber, wie ich an anderer Stelleschon dargetan habe, nicht: die Volkswirtschaft ist ein völlig leerer,rein formaler Begriff.

Ich neige mich also der Auffassung zu, die in der Volkswirtschaftkeinen Stilzusammenhang, sondern nur einen Beziehungszusammen-hang erblickt: einen Inbegriff, der, wie wir an anderer Stelle (S. 189)sahen, sich nur als Arbeitsidee eignet, aber nicht imstande ist, einenStil zu bestimmen.

Haben wir nunmehr die verschiedenen Arten von Sinnzusammen-hängen kennengelemt, so ergeben sich die Aufgaben, die dem Na-tionalökonomen aus dem Sachverstehen erwachsen, vonselbst.