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Ökonomie zu behandeln sind, habe ich bereits angegeben: sieheS. ao8ff. Die allgemeine Nationalökonomie bewegt sich ausschließ-lich im Bereiche des Sinnverstehens. Sie entspricht also etwa derAllgemeinen Staatslehre, der Allgemeinen Kunstwissenschaft, der All-gemeinen Religionswissenschaft usw.
Spezielle Nationalökonomie dagegen nenne ich die Lehre vonden Wirtschaftssystemen. Mein „Moderner Kapitalismus “ bildet denInhalt einer speziellen Nationalökonomie, wie sie mir vorschwebt. Esgibt aber so viel spezielle Nationalökonomien, wie viele Wirtschafts-systeme es gibt.
Die Beziehung zwischen der ersten Einteilung der National-ökonomie in theoretische und empirische und der hier gemachtenin allgemeine und spezielle ist nun folgende: die allgemeine National-ökonomie kann immer nur theoretisch sein, denn es gibt, wie wirschon festgestellt haben, keine Wirtschaft schlechthin in der Wirk-lichkeit, wie es keinen Staat, keine Kunst, keine Sprache usw.schlechthin gibt. Es gibt als „Leben“ immer nur eine bestimmt ge-artete Wirtschaft wie die handwerksmäßige, die kapitalistische, diekommunistische usw. Von diesen besonderen Wirtschaften aberhandelt die besondere (spezielle) Nationalökonomie. Diese nun kannsowohl theoretisch wie empirisch sein, in dem vorhin entwickeltenSinn dieses Unterschiedes: siehe wiederum den „Modernen Kapitalis-mus“. Es ergibt sich also folgendes Schema:
Allgemein — theoretisch/ theoretisch
l empirisch Empirisch — speziell.
Diese Gliederung erscheint so einleuchtend, daß man sich wun-dern muß, warum sie sich nicht längst in unserer Wissenschaft ein-gebürgert hat
Allerdings reicht in der deutschen Literatur — das Ausland kenntsie überhaupt nicht — die Einteilung in einen allgemeinen und einenspeziellen Teil der Nationalökonomie ziemlich weit zurück, wenn manzu dieser die kameralistische Literatur rechnen will. Ernst Walb 20
20 Ernst Walb, Kameralwissenschaft. 1927. S. iaf.
Sombart, Die drei Nationalökonomien
Theoretisch
( speziell
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