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Die drei Nationalökonomien : Geschichte und System der Lehre von der Wirtschaft / Werner Sombart
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ist, habe ich zu zeigen versucht. Was aber die Stellung unsererWissenschaft noch mehr schwächt, ist der Umstand, daß Uneinig-keit in unseren eigenen Reihen herrscht, weil wir selber nicht einigsind über den Sinn unserer Wissenschaft. Die einen wollen sie prak-tischen Zwecken dienstbar machen, die anderen glauben an ihrenEigenwert. Aber auf beiden Standpunkten treten sich die Auffas-sungen über die Eigenart unserer Wissenschaft schroff gegenüber.Dieses Buch hat die Gegensätze aufgedeckt, die diese erfüllen:wir haben eine richtende, metaphysische, eine ordnende, naturwissen-schaftliche und eine verstehende, geistwissenschaftliche National-ökonomie kennengelernt, die sich auf das heftigste befehden und diedurch diese Fehde den Bestand unserer Wissenschaft gefährden. Wer.richtende Nationalökonomie treibt, verrät diese an die Philosophie,wer sich zur ordnenden Nationalökonomie bekennt, verrät sie an dieKunstlehre. Denn wenn wir wirklich eine Wissenschaft nach Art derexakten Naturwissenschaften sind, dann hat unsere Forschung nurWert, wenn und soweit sie praktischen Nutzen stiftetj Daß sie dasnur in sehr beschränktem Umfange vermag, habe ich zu zeigen ver-sucht. Dann würde also die Nationalökonomie in Wahrheit keinenSinn mehr haben. Diesen kann sie sich nur erhalten, wenn wir unsdarauf besinnen, daß sie eine Geistwissenschaft ist, die ihren Wert insich trägt. Die Nationalökonomie soll eine Wissenschaft und keineHeilsichre, eine Wissenschaft und keine Kunstlehre, eine Wissen-schaft und doch keine Naturwissenschaft sein.

Wie sie diese ihr gestellte Aufgabe zu lösen vermag, habe ich durchmein Lebenswerk zu zeigen versucht, für das dieses Buch gleichsamden Katalog bilden soll.