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Die gewerbliche Arbeiterfrage / Werner Sombart
Entstehung
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Wic eine Arbeiterfrage entstand.

festzustellen sein wird, mich dann nicht aufhört, wenn diealte, handwerksmäßige Arbeitsweise längst dem modernenwirtschaftlichen Verfahren Platz gemacht hat.

2. Tic Lebensweise dieses gewerblichen Pro-letariats enthält nun zunächst eine Reihe von Zügen, dieihm mit allen Schichten des Proletariats oder sogar mitallen besitzlosen Personen gemeinsam sind. Unter ihnenverdienen folgende eine besondere Hervorhebung.

Die Unsicherheit der Existenz. Tiefe wird zu-nächst herbeigeführt durch individuelle Unglücksfttlle, wie sieinfolge von Krankheit, Siechtum, Betriebsunfällen usw. sichergeben: alle diejenigen Bcvölkeruugselemente, die von derHand in den Mund zu leben genötigt sind, die also anjedem Tage nur gerade so viel verdienen, und zwar durchihrer Hände Arbeit verdienen, wic sie an diesem Tage ver-zehren, sind offenbar in dem Augenblick dem positivenHunger überliefert, au dem sie nicht mehr ihre Arbeitskraftaus einem der angeführten Gründe verwerten können. Dennmit dem Aufhören der Arbeit versiegt ja sofort auch dieQuelle ihres Unterhalts. In dieser Situation haben sichvon jeher alle besitzlosen, freien, auf ihrer Hände Arbeitangewiesenen Bevölkcrungselemcntc befunden. Ebenso isteine, allen armen Elementen gemeinsame Erscheinung,daß sie Hunger leiden, wenn durch irgend welchen Natur-zufall ihueu die Quelle ihres Unterhalts verstopft wird.Wenn beispielsweise der chinesische oder indische Bauerinfolge einer Mißernte sich um die Früchte seiner Jahres-arbeit gebracht sieht. Was dagegen dem modernenProletariat eigentümlich ist, ist die Gefährdung seinerEristenz durch außerindividuelle Momente, die aber auchnicht Natnrvorgänge sind, sondern aus der eigeutümlicheuOrganisation des Wirtschaftslebens selbst sich ergeben. Eshandelt sich hier nm dasjenige, was man eine soziale