Tie spez. Eigenarten der Lage des modernen Proletariats. 23
ist eS immer als daS bedeutsamste Ereignis in dermodernen Entwicklung erschienen, daß dnrch die Um-gestaltung des Arbeitscharaktcrs diese für den Arbeiterselber aufgehört hat, eiu Segen und eine Wohltat zu sein.Tas ist sie nur so lange, als in ihr tatsächlich ein ganzerMensch sich ausleben und betätigen kann. Sobald ersteinmal jene Zertrümmerung der alteu komplexen. Arbeiteingetreten war, unch der der Arbeiter zu einem geistlosenTeilfunktionär in dem Großbetriebe der vergesellschaftetenArbeit geworden war, zumal weim hygienische und andereUnzuträglichkeiteu der verschiedensten Art sich bei der Arbeiteinstellten, mußte diese schlechthin als Last, als Qual, alsMühe, der kein Segen entsprang, aufgefaßt werden. Da-durch wurde aber auch die Frage nach der Länge derArbeit auf einen ganz neuen Boden gestellt. Wenn eserst dahin gekommen ist, daß man Mensch nur außerhalbder eigentliche» Berufsarbeit sein kann, so tritt selbstver-ständlich die Notwendigkeit, den Berufsarbeitstag zu kürzcu,viel gebieterischer auf, als wenn auch iu der Arbeit selberein Segen ruht. Ta uun die große Mehrzahl der Men-schen ihren besten Halt verliert, wenn sie ihn nicht mehr indcrihraufgezwungcncnBcrussarbeit findet, so istwohl zweifel-los, daß auch in dieser Beziehung die moderne Entwicklungdie Existenzmöglichkeit für die große Masse außerordentlicherschwert hat.
Eine solche Erschwerung ist dann aber auch vor allemeingetreten dadurch, daß die moderne Arbeit, weil sie denMann übermäßig anstrengte, insbesondere aber weil siedie Frau und Kinder aus dem Hause in die Fabrikenschleppte, die Grundlagen des Familienlebens zer-trümmert hat. Und weil der gewöhnliche Mensch nurim Rahmen der Familie seine Natnr als Bestie zu über-winden vermag, so bedeutet diese Lockerung oder Auflösung