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Die gewerbliche Arbeiterfrage / Werner Sombart
Entstehung
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Der Patriarchalismus.

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Initiative aufgeklärter und wohlwollender Unternehmerstellen, so hieße das eben Besserungen vorhandener Übel-stände auf St. Nimmerleinstag verschieben. Tcnn die Er-fahrung hat gelehrt, was für den Kenner der menschlichenNatnr gar nicht erst bewiesen zn werden brauchte, daß die-jenigen Unternehmer, die etwas anderes, als ihren Persön-lichen geschäftlichen Vorteil in den kapitalistischen Unter-nehmungen erstrebten, eine verschwindende Mehrheit dar-stellten. Ter Patriarchalismns als Lösung der sozialenFrage würde also schon deshalb utopistisch sein, weil sichdie Untcrnehmer nicht finden würden, die er zur Verwirk-lichung seiner Ideen braucht. Er ist nun doppelt ntopistischdeshalb, weil die Arbeiterschaft in der Gegenwart und nochweniger in der Zukunft in der Weise, wie es der Patriarcha-lismus voraussetzt, von einem Unternehmer sich nicht mehrregieren lassen will, weil die Arbeiterschaft nicht mehrWohltaten empfangen will von jemandem, der sie ihr eben-sogut verweigern könnte; weil sie vielmehr auf ihre Rechtepocht und unabhängig von dem gntem Willen des Unter-nehmers Verbesserung ihrer Lage durchzusetzen sich vor-gesteckt hat. Tabei ist gar nicht zu untersuchen, ob diesein der Arbeiterschaft verbreitete Stimmung zn ihrem Heilausschlägt, es ist vielmehr einfach als Tatsache zu kon-statieren, daß es so ist, und daß au diesem Widerstandeder Arbeiterschaft der letzte Rest von Patriarchalismus, derheutzutage sich entwickelt hat, in Znknnft scheitern mnß.

4. Heute finden sich nnr noch Reste jener alten Utopienvor. Es wird kaum noch irgend einen vernünftigen Men-schen geben, der die absolute wirtschaftliche Freiheit forderte,der gegen jeden Eingriff des Staates in das Arbeitsver-hältnis Einspruch erhöbe. Es wird kaum noch unter ver-nünftigen Sozialsten irgend einen geben, der daran glaubte,daß über Nacht der Zustand der Harmonie über die mcnsch-

Sombart, Gewerbliche Arbeiterfrage. Z