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1 (1904)
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67
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Das Mittclalter. Bäuerliches Gewerbe. 67

schaft die persönliche Kraft des Sklavenherrn vertausendfacht,und dieser Umstand trug wesentlich dazu bei, die Herrschafteiner Handvoll Aristokraten über eine halbe Welt zu er-möglichen.

H. Kapitel.Das Mittelalter.

I. Überblick.

Wenn wir den Entwickelungsgang verstehen wollen,den das wirtschaftliche Leben der germanisch-romanischenKulturwelt während des Mittclalters genommen hat, sowerden wir uns stets gegenwärtig halten müssen, daß eszwei Ströme sind, die in dem Bett der Wirtschaft jenerZeit zusammenfließen. Ans der einen Seite ist es dieprimitive wirtschaftliche Kultur, wie sie die wanderndenKelten, Germanen und Slaven bei ihrem Eintritt in Europa mitbringen, die auf Jahrhunderte hinaus die Eigenartihres Wirtschaftslebens bestimmt. Zu ihr tritt dann aberin einem mehr oder weniger starken Maße die Überlieferungder hohen wirtschaftlichen Kultur, wie sie das ausgehenderömische Kaiserreich entwickelt hatte. In der Vereinigungdieser beiden Ströme liegt eine der hervorstechenden Eigen-arten mittelalterlichen Wirtschaftslebens und insbesondereist anch das Gcwcrbcwesen jener Zeit gar nicht anders zuverstehen, als aus einer Vereiniguug jener beiden disparatenElemente.

II. Bäuerliches Gewerbe.

Diejenige Stufe gewerblicher Entwickelung, die die nachWest-, Mittel- und Südcuropa einwandernden indo-gcrma-nischcn Stämme erreicht hatten, war die eines primitiven

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