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1 (1904)
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72
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72 Überblick über d. geschichtl. Entwickelung d, Gewerbewesens

IV. Die Epoche der handwerksmäßige» Organisation.

1. Ihre Verbreitung, ihre Wesenheit unddie Gründe ihrer langen Dauer.

-viiudwerksmäßige Organisation ist, soviel wir wissen,bisher am reinsten in der Geschichte in den Städten deseuropäischen Mittelalters zur Entfaltung gelangt. Injenen Städten, kleinen nnd mittleren Umfanges (wir wissenheute, daß selbst die größten Städte des Mittclalters nichtmehr wie 3040000 Einwohner hatten), wie sie sich ent-weder aus der Nömerzeit heraus erhalten hatten oder aberaus Gründen, denen hier nicht nachzugehen ist, seit dem12. Jahrhundert sich allenthalben in Westeuropa zu ent-wickeln begannen. Auch diese handwerksmäßige Organisa-tion des Zewerbes in den mittelalterlichen Städten ist nichtzu verstehen ohne die Erbschaft an römischer Kultur, diedie Völker des Mittelalters, wie wir sahen, antraten.Mochte das städtische Handwerk des Mittelalters an diegewerbliche Organisation der Fronhöfe, die seit dem12. Jahrhundert sich auszulösen beginnen, anknüpfen,mochte es sich in kontinuierlicher Entwickelung seit derNömerzeit her in den Städten erhalten haben, mochte esendlich aus deu Zentren höherer wirtschaftlicher Kulturbewußt in die sich entwickelnden Städte niedrigerer Kulturübertragen werden: immer läßt sich der hohe Grad vonVollendung, den wir die gewerbliche Produktion schon imfrühen Mittelalter erreiche» sehen, nicht anders erklären,als wenn wir annehmen, daß vielfach nur auf der Grund-lage weitergebaut ist, die in den antiken Reichen gelegtworden war.

Was die mittelalterliche Organisation des Gewerbescharakterisiert, ist vor allem die Tatsache, daß in ihm freiegewerbliche Arbeiter sich eine selbständige Lebensstellung