Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

Hohenlohe und Massenbachs Täuschung

71

derStrom", begleitete ihn. Der Damm wurde auch noch besetzt,das Einrücken begann. Aber Lasalle hatte Murat benachrichtigt,und dieser eilte mit zwei Kavalleriedivisionen herbei; Lannes folgteihm mit seinem Armeekorps, so schnell er konnte. Das lange ge-hetzte Wild war endlich gestellt. Der Fürst, statt alle Kräfteaufzubieten, um den Durchzug zu beschleunigen, ließ sich unver-antwortlicherweise durch einen Parlamentär aufhalten, der ihmvorzuspiegeln suchte, daß er bereits umringt sei. Man kanonierte,Zeit ging verloren. Es gelang der französischen Kavallerie in-zwischen über denStrom" zu kommen und das noch heranziehendeEnde der preußischen Kolonne abzuschneiden. Einige Schwadronenschlugen sich durch, warfen sich aber in die eigenen, auf demDamme zusammengedrängten Reihen hinein. Französische Reiterfolgten ihnen, ritten neben denselben her und riefen ihnen dieAufforderung zu, die Waffen niederzulegen. In dem allgemeinenWirrwarr ging selbst die Stadt an ein Voltigeurbataillon Lannes 'verloren die einzige französische Infanterie, die hatte heran-kommen können. Fast wäre der Fürst in den Straßen gefangengenommen worden. Mit Mühe brachte seine Umgebung ihn zuden hinter Prenzlau schon aufmarschierten Truppen.

Vom Rückzüge abgeschnitten waren diese nicht. Noch standkein Franzose östlich der Ucker. Aber die Ratlosigkeit beherrschteauch diesen verhängnisvollen Augenblick. Der Fürst ward nichtinne, daß er frei sei, auf Stettin abzumarschieren, und daß derFeind ihm dann nur durch die Stadt hätte folgen können. Erglaubte sich verloren, und sein Berater Massenbach bestärkte ihndarin. Diesen hatte er während der Verhandlungen jenseits derStadt abgesandt, um sich in Begleitung eines französischen Offiziersvon der wirklichen Lage zu überzeugen.

Außergewöhnlichen körperlichen Anstrengungen nicht gewachsen,vom Reiten leicht ermüdet, war der unglückselige Phantast in einenZustand geraten, der an Unzurechnungsfähigkeit streifte. Als erüber denStrom" kam, glaubte er die Ucker zu überschreiten undnahm an, daß die französischen Truppen, die er weiter südlich sah,sich bereits östlich des schützenden Flußabschnitts befänden. SeineErregtheit spiegelte ihm das vollendete Verderben vor; er ver-sicherte Hohenlohe, daß der Feind schon nahe an der StettinerStraße stände und diese beherrsche. Es gehört viel dazu, einerVerwechselung des von West nach Ost fließenden Strombaches mit