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II. Der Krieg von 1806 und 1307
griff das Feld nicht zu räumen. Bis zum Ende der überstandenenSchlacht hatte er zwei seiner Divisionen am rechten Alleufer be-lassen, sie dann aber in der Nacht nach dem linken hinübergerusen.Er verlängerte seine Stellung derart, daß sie einen vollständigenHalbkreis um Heilsberg herum bildete. Die Rückzugslinie überEylau war aufgegeben.
Vergeblich warteten die Rusfen am 11. auf den Beginn desAngriffs. Zu einem Gegenstoße raffte sich Bennigsen nicht auf. Inden etwa 2000 m entfernt stehenden französischen Linien fanden seit-liche Verschiebungen, aber keine Vorwärtsbewegung statt. Nur zueinzelnen Zusammenstößen der Kavallerie und einer leichten Kano-nade soll es gekommen sein.
Des Kaisers ungewöhnliches Zögern erklärt sich leicht. Erhatte seine Armee von Guttstadt herangerufen, aber ihre Vorwärts-bewegung vollzog sich allein auf dem einen Waldwege über Launau,auf dem auch tags zuvor alle an der Schlacht beteiligten Truppengekommen waren. (S. Skizze IS.) Ein schlimmeres Hindernisfür die Vorwärtsbewegung gibt es nicht. Davout erreichte wohlnoch das Schlachtfeld und marschierte, 30000 Mann stark, zubeiden Seiten der Eylauer Straße auf. Ney und die Gardejedoch kamen nicht über Launau hinaus. Mortier mußte bei Alt-kirch bleiben. Diese Truppen hätten am 11. zur Entscheidungnichts mehr beitragen können. So war es von der Vorsicht ge-boten, den allgemeinen Angriff auf den nächsten Tag zu verschieben.Napoleon wollte den Fehler vom 10. nicht wiederholen.
Am 12. waren die russischen Stellungen indessen verlassen.Bennigsen war auf das rechte Ufer zurückgekehrt und dort in derRichtung nach Bartenstein abmarschiert, das er am Nachmittageerreichte. Er hatte sich der ihn umstellenden, stündlich anwachsen-den Übermacht geschickt entzogen, um bei Wehlau hinter den Pregelzu gehen. Dort wollte er die Verbindung mit L'Estocq aufnehmenund außerdem die aus Rußland heranrückenden Reserven abwarten,vorher aber keinen neuen Kampf wagen. Den um die Schlachtvon Heilsberg so hoch verdienten Grafen Kamenskoi hatte er mitseinen Truppen über Bartenstein und Eylau zu L'Estocq zurück-geschickt, der dringend darum bat. Diese Schwächung im Angesichtdes stärkeren Feindes war ein schwerer Fehler und der Marsch derKolonne um den Feind herum höchst gewagt. Dennoch verliefer ohne Unfall.