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II. Der Krieg von 1806 und 1807
Kampfe kam es jedoch nicht mehr, sondern nur zu Plänkeleienzwischen den vorgeschobenen Reiterabteilungen und einigem Geschütz-feuer.
Es nimmt uns wunder, Napoleon , der eben noch die feind-liche Hauptarmee vor sich gehabt hatte, so bedeutende Teile seinesHeeres nach abweichender Richtung entsenden zu sehen. Der Eifer,sein politisches Ziel zu erreichen, ließ ihn zum zweiten Male demeigenen Grundsatz, alles auf den gefährlichsten Gegner zu werfen,untreu werden. Vielleicht glaubte er, die Russen südlich des Pregel überhaupt nicht mehr erreichen zu können. Gerade darin sollteihm eine Überraschung bevorstehen, eine Überraschung freilich, dieseinen Wünschen durchaus entsprach.
Lannes war am 13. Juni von Eylau nach Lampasch auf derDomnauer Straße weitermarschiert und hatte seine Kavallerie vor-geschoben. Als nun von Bartenstein her die Meldung kam, daßdie Russen dort bereits in der Richtung auf Schippenbeil durch-gezogen seien, erhielt er den Befehl, sogleich bis Domnau zu gehenund Aufklärung über die Vorgänge bei Friedland zu schaffen. EinTeil seiner Kavallerie eilte dorthin voraus, sandte aber am Abenddie unerwartete Nachricht, daß er von überlegener russischer Reitereiaus der Stadt wieder vertrieben worden sei.
Der Kaiser erfaßte sofort die Bedeutung dieses Vorgangs.Bennigsen schien etwas für die Rettung Königsbergs tun zu wollenund die Vereinigung mit L'Estocq anzustreben. Dies mußte einekostbare Gelegenheit geben, ihm in die Flanke zu fallen und ihnunter den ungünstigsten Umständen zur Schlacht zu zwingen. Dieganze Armee mit Ausnahme der vor Königsberg stehenden Teilewurde noch am späten Abend gegen Domnau in Bewegung gesetzt.(S. Skizze 16.)
Bennigsen war, auf die Nachricht vom Vorgehen Napoleons nach Eylau, in der Nacht zum 13. Juni von Bartenstein wiederaufgebrochen, um einen Vorsprung gegen den Pregel zu gewinnen.Bei Schippenbeil wurde am Mvrgen längere Zeit gerastet, dannweitermarschiert und Kavallerie mit Geschütz vorausgeschickt, umdie Alleübergänge von Friedland, Wohnsdorf, Allenburg und Wehlauvor dem Feinde zu besetzen. Das gelang auch. Aus dem amlinken Ufer gelegenen Friedland wurden hierbei Lannes' Reiterverdrängt. Die an der Spitze marschierende russische Garde gingüber den Fluß und durch die Stadt vor, um der Kavallerie als