168 ll. Der Krieg von 180k und 1807
für Bennigsens Handlungsweise auch angeführt hat, es macht denrätselhaften Entschluß nicht verständlich. Ein bestimmter Planlag wohl überhaupt nicht vor. An ein Unternehmen gegenKönigsberg ist nicht gedacht worden. Napoleons Voraussetzungwar eine Täuschung. Der Zufall trieb die Dinge vorwärts.Das Schicksal der Staaten hängt nicht immer von großen Beweg-gründen ab.
Die Armee blieb den 14. Juni in ihrer gefährdeten Stellungam linken Ufer stehen.
Die Schlacht von Friedland am ^. Juni ^807S. Skizze 17
Marschall Lannes hatte am 13. abends den Befehl Napoleons erhalten, Fried land, wenn es nur schwach besetzt sei, wieder zunehmen. Der Kaiser hoffte, dort wohlgefüllte russische Magazinezu finden, und eine solche Beute tat seiner Armee bei der gänz-lichen Erschöpfung und Verwüstung des Landes dringend not.Lannes war sofort mit den Truppen, die er zur Hand hatte, vonDomnau aufgebrochen und traf um 1 Uhr nachts bei Postehnenein. Obwohl die russische Stellung auch bei anbrechendem Tages-licht nicht recht zu erkennen war, so fühlte der kriegserfahreneMarschall doch richtig heraus, daß er sich vor bedeutender Über-macht befände. Er führte also in den Morgenstunden ein hin-haltendes Gefecht.
Der Kaiser war der von Eylau und Umgegend in Bewegunggesetzten Armee vorausgeeilt. In Postehnen angekommen, soll ervon einem am Ostrande des Gutsparks stehenden Gartenbalkon,der bis zum Sortlacker Walde und gegen Friedland hin freie Aus-sicht bot, die russischen Stellungen erkundet haben.
Zu seiner eigenen Überraschung gewann er den Eindruck, daßBennigsen, der am 12. Juni bei Heilsberg der Entscheidung aus-gewichen war, hier standhalten wolle. Anfangs war der Kaiserim Zweifel, ob er noch am 14. angreifen könne. Um 3 Uhr nach-mittags ließ er an Murat, den er schon in Königsberg wähnte,schreiben, daß er mit dem von ihm befehligten Armeeflügel heran-kommen solle, weil der Tag über einer Kanonade hingehen undder ernste Angriff erst am 15. beginnen werde.
. Bald danach aber gab er Befehl zum Vorgehen. Die Be-