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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

deren Durchführung Napoleon die vor der Festung stehendenHessen -Darmstädter durch andere Rheinbundskontingente und pol-nische Bataillone verstärkte, ohne zum Ziele zu gelangen. Nochwaren keine wesentlichen Fortschritte gemacht, als am 30. Juni derWaffenstillstand die Feindseligkeiten beendete. Widerrechtlich setztendie Eroberer die Einschließung freilich noch bis zum Dezemberfort. Als ein leuchtendes Beispiel von Festigkeit steht CourbieresVerhalten in unserer Kriegsgeschichte da; denn er hatte in der Unzu-verlässigkeit eines Teiles der Garnison , in Mangel und zumal inKrankheit arge Feinde im Innern der Festung zugleich mit denFeinden draußen zu bestehen. Über 700 Mann starben an Krank-heiten, 800 desertierten.

Ernster ging es vor Kolberg her, das auf der französischenMarschstrecke von Stettin über Stolpe nach Danzig lag, und vonwoher das Schillsche Streifkorps den Feind stark beunruhigte.Der französische General Teulie wurde daher mit der Einschließungbeauftragt, erschien mit Truppen, die zu dem neugebildeten zehntenArmeekorps gehörten, vor der Festung und drängte die Besatzungbis zum 1. März auf deren nächste Umgebung zurück. DieStreifereien der preußischen Kavallerie aber dauerten fort; vonDanzig her wirkte Graf Krockows tüchtiges Freikorps mit Schillzusammen.

Erst um die Mitte April leitete General Loison die Belagerungenergischer ein, und der Kaiser befahl die Aufstellung eines Be-lagerungsparks. Doch wurde gleichzeitig von preußischer Seitedie Garnison vermehrt und durch die Ernennung des Majorsv. Gneisenau an Stelle des überalterten Oberst v. Loucadou moralischgestärkt. Gneisenau ist der nachmals so berühmte GeneralstabschefBlüchers und die Verteidigung Kolbergs für die vaterländischeGeschichte denkwürdig, weil sie diesem Manne Gelegenheit gab,seine ungewöhnlichen militärischen Eigenschaften zum ersten Malein wichtiger Sache zur Geltung zu bringen. Sofort begann er,bei der Verteidigung durch die Bürgerschaft unter NettelbecksFührung brav unterstützt, mit Werken dem Feinde entgegen-zugehen. Namentlich ging er daran, das zwischen der Festungund der nahen Küste liegende Gelände, das durch sumpfigeNiederungen teilweise geschützt war, kräftig zu behaupten. Dortkam es auf beiden Seiten der Kolberg durchfließenden Persante zuheftigen Kämpfen. Östlich bildete die neu aufgeworfene Wolfs-