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von selbst — „automatisch" (Arndt) — Kapitalien nnd Arbeits-kräfte der Industriestaaten zur Wiederausdehnung der Kornproduktion,zur Einschränkung der an ihrem Exporte verkürzten, jetzt wenigerals bisher rentablen Industrie. Nimmt in Rußland, Nordamerika ,Argentinien, Australien , Ostindien die „Zahl der Münder", die vomnationalen Boden gesättigt werden müssen, zu und der Lebens-mittelexport ab, so nimmt in gleichem Schritte die Inanspruchnahmedes nationalen Bodens für Zwecke der Lebensmittelproduktion inEngland, Deutschland, Frankreich u. s. w. zu. Die „plötzliche"Brotnot ist ein Phantom.
Es ist wiederum begreiflich, wenn unsere Agrarier dies Phantomvorspiegeln. Denn: gelingt es, die öffentliche Meinung mit ihmzu ängstigen und aus dieser Angst ein Hochkornzollregime heraus-zupressen, so wird ihrem Rentabilitätsinteresse gedient.
Minder begreiflich ist, daß seitens derer „ohne Ar und Halm",die das Produktivitütsinteresse des Volkes im Auge haben, andies Phantom geglaubt wird.
Vieles Sonderbare giebt's in der agrarisch-„nationalen" Litte-ratur — das Sonderbarste aber ist die Doktrin vom „Eigensinn"des industriesüchtigen Kapitals, von seiner Landwirtschaftsscheu, seinemHange, sich auf die Produktion entbehrlicher Güter zu werfen,die Produktion unentbehrlicher Güter zu fliehen, da es hier wenigerverdiene als dort.
Diese Doktrin kurz zurückzuweisen, bot sich schon oben einmalAnlaß (S. 35). Hier müssen ihr noch einige Worte mehr ge-widmet werden.
In den Industriestaaten von heute — heißt es — sei solcherEigensinn des Kapitals ja augenscheinlich. In den jungen Ländern,den Rohstoffstaaten, hätten nur „besondere Umstände" das Kapitalbis vor kurzem zurückgehalten, die Industrie zu bevorzugen. Baldwerde das anders werden, werde das Kapital auch dort die minderrentable Landwirtschaft relativ vernachlässigen, sie auch dann nochvernachlässigen, wenn zufolge Bevölkerungswachstums „die Preisewieder etwas gestiegen sein werden. Der Rückgang des nord-amerikanischen Weizenbaues, anstatt der zu fordernden Stei-gerung, läßt das ja schon jetzt erkennen". . .. „Solange wir nicht