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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Vorwort.

Eine kurze Vorrede kann bei einem Buche, wie dein vor-liegenden, nicht wohl unterbleiben. Denn es ist die Pflicht desVerfassers, seinen Lesern von vornherein einen Überblick über Daszu geben, was sie zu erwarten.haben, und im gegenwärtigenFalle erscheint diese Pflicht als eine um so dringendere, weil derBezeichnungAnorganische Naturwissenschaft" unleugbareine gewisse Unbestimmtheit anhaftet. Daß es in unseren Tagennicht mehr möglich ist, das ungeheure Gebiet der gesamten Natur-wissenschaften soweit zu beherrschen, nm deren geschichtliche Ent-wicklung bis zu unseren Tagen darstellen zu können, versteht sichwohl von selbst; eine Spaltung mußte eintreten, nnd die beidenBearbeiter kamen leicht überein, diejenige Scheidung vorzuuehmeu,welche unmittelbar in der Natnr der Sache gelegen ist. Darüber,was man als organische und anorganische Körper anzusehenhabe, waltet keiue Meinungsverschiedenheit ob, und so fällt alsodenOrganischen Naturwissenschaften" jener Komplex vonDisziplinen zu, welche man mit gleichem Rechte auch diebiolo-gischen" nennen könnte. Dahin gehören Botanik und Pflanzen-physiologie, Zoologie und (somatische) Anthropologie und endlichdie gesamte Heilkunde; darüber, daß die Medizin nichts als ange-wandte Naturwissenschaft ist und sein kann, herrscht ebenfalls Ein-stimmigkeit. Für die andere Hälfte, mit welcher wir es hier zuthun habeu, verbleiben folglich Astronomie, Physik, Chemie, diemineralogisch-geologischen Fächer und endlich die im neunzehntenJahrhundert als gleichberechtigt in die Phalanx der Naturwissen-schaften eingetretene Erdkunde, welcher allerdings zugleich die Pflichtobliegt, die Verbindung der Wissenschaft von den natürlichen