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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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20 I. DerStandpunkt der Naturwissenschaften mn die Wende deSIZ.JahrhnndertS,

sich gleichenden Züge in der meteorologischen Physiognomie einesbestimmten Ortes festgestellt, andererseits auch die Gesetze desLuftaustausches ausfindig gemacht werden konnten. Die Stürmeder Kriegsjahre von 1796 ab war zwar das Mannheimer Institutnicht zu überdauern imstande, aber der Geist, in welchem es ge-schaffen war, verschwand nicht mehr aus der Welt, und wir werdenuns überzeugen, daß und wie die von Hemmer gesäeten Keimebei späterer Gelegenheit doch noch aufgingen und Frucht trugen.Der kurbayerischeu Akademie der Wissenschaften muß das Lob zu-erkannt werden, die Erbschaft ihrer pfälzischen Schwester ange-treten und mit dem überkommenen Pfunde gewuchert zu haben.

Erst allmählich, obgleich doch schon des Varenius einzig da-stehendeKöoZrapllig, Fsnei-klis" von 1650 hiefür das beste Vor-bild gegeben hatte, gewöhnte man sich daran, die Meteorologie,deren vermeintliche Abhängigkeit von Planeten- und Mondstellungenihr einen Platz neben der Astronomie anzuweisen schien, auch alseinen selbständigen Teil der physischen Er dkuude gelten zu lassen.Dieser Wissenszweig durfte mit besonderer Genugthuung auf einJahrhundert zurückblicken, welches man zwar gewöhnlich als dashistorische" bezeichnet, welches aber mit gleichem Rechte auch dasjenigeder reifenden Natnrerkenntnis heißen könnte. Die Lehr- uud Hand-bücher eines Struyck, Lulofs (verdeutscht von Kaestuer), Berg-man (verdeutscht von Roehl), Kant uud E. Bode (17471826)bekundei: ein auerkenuenswertes Ringen mit unermeßlichem Stoffe,um zu systematischer Ordnung und Gestaltuug durchzndringeu,uud auch die Einzelprobleme werden mannigfach gefördert.N.Maskelyne(17321811) undCharlesHutton(17371828)zeigen Mittel und Wege auf, Masse und Dichte des seit denGradmessuugsexpeditionen von 1735 als Sphäroid erkanntenErdkörpers zu ermitteln; Franklin uud Lichtenberg erörtern ander Hand der Rechnung die Möglichkeit, daß der Erdball teilweisevon gasförmigen Stoffen erfüllt sei; Euler sucht die Gesetzmäßig-keit der erdmagnetischen Erscheinungen als Folge des Vorhanden-seins von Magnetstäben im Erdinneren nachzuweisen; das Polar-licht wird empirisch erforscht, und eine Fülle von Erklärungs-versuchen geht darauf aus, dieses Licht entweder auf optischem Wege