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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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IV. Alexander v. Humboldt.

unternahm er im gleichen Jahre eine größere Reise, die ihn anden Niederrhein und nach England führte und seine empfänglicheSeele mit einer Fülle nachhaltiger Eindrücke bereicherte. Semepolyhistorischen Neigungen regten sich immer entschiedener. EinSemester brachte er auf der Hamburger Handelsakademie zu, umsich unter Büsch in Mathematik, Volkswirtschaftslehre uudFiuanzwissenschaft auszubilden; in zwei weiteren Semestern legteer, von Werner wohlwollend beraten, an der Bergakademie znFreiberg den Grund zu jener tiefen Einsicht in geognostische uudmontanistische Fragen, die seinen späteren Lebenslanf wesentlichbestimmen sollte. Als preußischer Bergmeister in der kurz zuvorerworbenen Markgrafschaft Bayreuth hob er den arg darnieder-liegenden Bergbau zu vorher nur selten, später nie wieder erreichterHohe, und es lag an ihm, die Hand nach den höchsten Ehrenstellcnauszustrecken, welche der Staat Friedrich Wilhelms III. einemBergbankundigen gewähren konnte. Aber das Ziel, welches sichder junge Humboldt gesteckt hatte, war ein höheres. Ihm schwebteeine neue, auf gründlichster Kenntnis des Erdganzen beruhende,die tellnrische Physik mit der kosmischen einende Naturwissenschaftvor; ihr wollte er sein Leben widmen, und dazu schien ihm gründ-lichste Vorbereitung durch weite Reisen die unerläßlichste Vor-bedingung zu seiu. Verschiedene Versuche, an einem afrikanischenUnternehmen teilnehmen zu können, scheiterten, und gleicherweiseging Humboldt der durch viele Lustrcn zäh festgehaltene Wunsch,das Wunderland Indien durch eigene Anschauung kennen zu lerneu,niemals in Erfüllung. Dafür gewährte reichlichen Ersatz die1798 sich eröffnende Möglichkeit, von Spanien aus eine Expeditionins Werk setzen zu können. Allein wieder zerschlug sich die ersteHoffnung, von Valencia nach der Levante zu segeln, und stattdessen eröffnete ihm im März 1799 das spanische Ministerium,daß ihm die nur in außerordentlich seltenen Fällen erteilteGenehmigung zu freier Bereisung der amerikanischen Koloniengegeben werde. Alle Reisenden, Spanier nicht ausgeschlossen,hatte die engherzigste Politik von Süd- nnd Mittelamerika bisherausgeschlossen; dem jungeu, mit Empfehluugeu nur sparsam aus-gerüsteten Deutschen und seiuem Reisegefährten Anne Bonpland