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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Die angebliche Zentralsvmic,

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kleidet. Wohl den meisten Fleiß wandte an die so bezeichneteAufgabe H. Maedler in Dorpat (1791187-t), der sich durchantodidaktische Strebsamkeit vom einfachen Berliner Elemcntar-lehrer seine erste Veröffentlichung war ein Leitfaden der Schön-schreibeknnst bis zum Nachfolger W. v. Struves in der Leituugeiner der ersten Sternwarten Europas aufgeschwungen hatte.Allerdings war das Ziel, welches Maedler sich gesteckt hatte, einallzu hohes, ein unerreichbares gewesen. Er verlegte die Zentrnl-sonne in das Sternbild der Plejaden, wo wiederum Alkyone dasdominierende Massenzentrum sein sollte. Diese vermeintliche Ent-deckung ist in populären Schriften mit Übereifer verbreitet worden,hat sich aber in kompetenten Kreisen niemals Anerkennung erworben.Man kann bereitwillig einräumen, daß in der Nähe des Sieben-gestirnes eine lebhaftere Steigerung der Eigenbewegnngen vonwesentlich übereinstimmender Bewegungstendenz bemerkbar wird,aber von da ist für die nüchterne Kritik noch ein weiter Weg biszu der von Maedler gezogenen Schlußfolgeruug.

Die Natur der Körper unseres Systemes war in diesem Zeit-raume, auch nachdem der auf diefem Gebiete besonders thätigeSchroeter vom Schauplatze abgetreten war, unausgesetzt derGegenstand rühriger Forschung geblieben. Die Sonne freilich galtden meisten noch immer als der dunkle, von einer Lichthülle um-slossene Körper, für den Herschel ihn erklärt hatte, und A. v. Hum-boldt ist bis zu seinem Tode ein Anhänger dieser physikalischunhaltbaren Lehre geblieben. Aber schon fing man an, die leiderseltenen Vorkommnisse einer totalen oder ringförmigen Sonnen-finsternis zu Fragestellungen zu benutzen, auf welche nicht immereine der herrschenden Ansicht günstige Antwort erfolgte. Ein solchesPhänomen im Mai 1836 führte zur Auffindung der sogenanntenBailyschen Perlen", welche sich dann jedoch als eine wesentlichoptische, ans die Gebirgsauszacknng der Mondscheibe zurückzuführeudeInanspruchnahme des Gesichtssinnes erwiesen. Aber man warnun begierig geworden, ähnliche Vorkommnisse beobachten zu können,und als deshalb für den 8. Juli 1842 eine Sonnenfinsternis inAussicht staud, welche in einem sehr großen Teile Europas totalwerden sollte, wanderten die meisten bekannten Astronomen an