112 VI- Erdmessung und Erdphysik in der ersten Halste des Jahrhunderts.
zwar findet man die Anzahl der Stunden, nach deren Umfluß dasPendel wieder zu seiner ursprünglichen Schwingungsebene zurück-gelangt, wenn man in die Zahl 24 mit dem Sinus der geogra-phischen Breite dividiert. Für die Pole ist dies gerade ein ganzerTag, und am Äquator ist eiue Drehung überhaupt nicht vor-handen. Foucaults Pendelversuch setzt uns, wenn man einean der Pcudellinse angebrachte Spitze ihren Weg in einen aufge-worfenen Sandhaufen einzeichnen läßt, in den Stand, die Rotationsozusagen mit den Augen zu verfolgen. Im 13. Abschnitte habendie weiteren Schicksale dieses in jeder Hinsicht interessanten Experi-mentes uns noch etwas eingehender zu beschäftigen.
Nächst der Schwere der Erde ist auch deren Magnetismusin dem uns jetzt beschäftigenden Zeitraume von den Forschernangelegentlicher Fürsorge gewürdigt worden. Wir haben gesehen,daß A. v. Humboldt es war, der hauptsächlich die internatio-nale Regelung der geomagnetischen Beobachtungen an-bahnte, welche seitdem so wertvvlle Früchte gezeitigt hat. Außer-ordentlich günstig traf es sich aber, daß diese Bestrebungen zeitlichziemlich genan zusammenfielen mit jener tief greifenden Vervoll-kommnung sowohl der Beobachtungsmethoden als anch der Theorie,welche Gauß in den dreißiger und vierziger Jahren bekannt machte.Freilich dauerte es längere Zeit, bis man die ganze Bedeutsamkeitdieses vor- und nachher einzig dastehenden Fortschrittes voll be-griffen hatte; selbst Humboldt konnte sich von den ihm liebgewordenen Apparaten des Pariser Mechanikers H. P. Gambey(1787—1847) lange nicht trennen und zog sich dnrch diese Vor-liebe für das Veraltete die vorübergehende Ungnade seines insvlchen Dingen sehr reizbaren Göttinger Freundes zu. Die vonGauß eingeführten Magnetometer, massige parallelepipcdischeEisenstäbe, die zur Erzielung größerer Empfindlichkeit an zweiFäden aufgehangen waren, gewährleisteten nicht allein eine vielschärfere Bestimmung der Absolutwerte von Deklination,Inklination und Intensität, sondern sie waren anch vorzüglichpassend als Variationsinstrnmente, um die unaufhörlichenSchwankungen der magnetischen Erdkraft messend zu verfolgen.Auch emanzipierte Gauß den Erdmagnetismus von der bisher