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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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198 VIII. Die Physik im Zeitalter vvr Entdeckung des Energieprinzipes,

sogar oft die belehrendsten, weil sie uns zeigen, wie das Genie esanfängt, die gemachten Fehler zu verbessern und auf gekrümmtemWege doch endlich zur Wahrheit durchzudringen. So tritt Faradayuns auch hier eutgegen. Er gab dem jungen Wissenszweige, vonWhewell beraten, die treffende Nomenklatur. In den Elek-trolyten taucheu die Elektroden; an der Anode, durch welcheder positive Strom eintritt, scheidet sich das elektronegative Anion,und an der Kathode scheidet sich das elektropositive Kation ab.Der Zersetzungsvorgang ist identisch mit einer Wanderung derIonen. Wie diese sich vollzieht, das haben zuerst (1820)v. Grothuß und später I. W. Hittorf mittelst einer geistvollenHypothese aufzuklären gesucht, die sich lange keinen rechten Eingangzu verschaffen vermochte, neuestens aber von einem weit jüngerenPhysiker, dem Finnlünder Svante Arrhenins, wieder aufgenom-men ward und nunmehr, freilich in modifizierter Gestalt, als dasbeste Mittel zur Aufhellung der vielen obschwebenden Dunkelheitenanerkannt wird. Näher darauf einzugehen, ist hier noch nicht derOrt; wir haben noch zu sehr mit den rein thatsächlichen Momentenzu thun. Faraday erhob die Elektrolyse zu einer mächtigenHandhabe der chemischen Scheideknnst, indem er eine große Mengevon Verbindungen solchergestalt in ihre Bestandteile zerfällte unddie Regel fixierte, daß die elektrolytische Zersetzung Pro-portional zurStromstärke wächst. Auch die Reibungselektrizitätist nach Faraday und Rieß solcher Wirkungen fähig, währendman dies früher angezweifelt hatte. Es leuchtet ein, daß mitdiesen elektrolytischen Verbindungen in naher Verwandtschaft dasBestreben steht, konstante Elemente zu konstruieren; diese sollenja eben des Polarisationsstromes entbehren. Auf K. T. Kemp(18061843), W. Sturgeon (17831850) u. a. folgt als der,dem eine sehr befriedigende Lösnng der im strengsten Sinne selbst-redend unlösbaren Aufgabe gelangt, der uns durch seine Verdiensteum die Hygrometrie bekannt gewordene Engländer Daniell.Damit war eine Reihe neuer, fruchtbringender Erfindungeneröffnet; W. R. Grove (1811 1896), Poggendorff,R. W. Bunsen (18111899), C. F. Schoenbein (17991868)haben Elemente von relativer UnVeränderlichkeit angegeben, die