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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
Entstehung
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Fortschritte der Jnstrumentaltechnik,

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Fachmänner Bortz, Hin den bürg nnd Rnediger Folge gebend,absichtlich auf dem Turme des Schlosses Pleißenburg eingerichtethatte. Manche Instrumente, die noch in den dreißiger Jahren ge-bräuchlich gewesen waren, verschwinden nunmehr aus dem Arma-rium der Sternwarten, welches allenthalben nach BesselscheuGrundsätzen zusammengestellt wird. An die Stelle der Quadrantenund Sextanten, die nur noch für gelegentliche, rasch anzustellendeBeobachtungen gebraucht werden, ist der Vollkreis ganz all-gemein getreten, dessen Graduierung mit der Reichend achschenTeilmaschine erfolgt und, ehe man das Instrument in Dienstnimmt, sorgfältig durch das Ablesemikroskop darauf untersuchtwird, ob der Abstand je zweier konsekutiver Teilstriche durchweggleich ist; wenn nicht, wie es die Regel ist, werden die einzelnenFehler tabellarisch gebucht, und bei der Ablesung nimmt mau aufdiese Fehlertabelle regelmäßig Bedacht. Firmen von hohem Range,wie sie jetzt nicht mehr allein in England zn finden sind, werdenbegreiflicherweise bevorzugt. An die Stelle des berühmten Kon-sortiums Fraunhofer-Reichenbach-Utzschueider ist auf demerprobten Boden Münchens die große, für aller Herren Länderarbeitende Werkstätte von G. Merz (1793 1867) gekommen, indessen Fußstapfen seine Sohne L. und S. Merz traten; Starkein Wien, Pistor in Berlin, Brunner in Solothurn sind anderegeachtete Namen deutscher Abkunft. Eine besonders erfreulichegeistige Koutinuität zeichnet aber die Hamburger Offizin Repsold aus, denn auf I. G. Repsold (1770 1830) folgten A. uudG. Repsold (18061871; 18041884), und die Söhne beiderMänner wetteifern mit ihren Vorfahren in der Herstellung vonPräzisionsinstrumeuten. Hinsichtlich der Ausführung dioptrischerGläser von vollkommenster Achromasie sind die FamilienVoigtländer (Wien-Braunschweig) nnd Steinheil (München )zu verdienter Anerkennung gelangt; aus dem Atelier des zweitenin der Voigtländersehen Dynastie (I. F. Voigtländer ,17791859), dem man u.a. unseren gewöhnlichen Opernguckerverdankt, ist auch S. Ploeßl (1794 1868) entsprossen, dessenaplanatische Mikroskope nnd dialytische FernrohreRefraktoren, die durch eine aus Glas und Flüssigkeit gebildete