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Geschichte der anorganischen Naturwissenschaften im neunzehnten Jahrhundert / von Siegmund Günther
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402 XIII. Die Astronomie in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts.

Winkel in vielen Füllen, z. B. bei Wega, zu klein ist, um mithalbwegs befriedigender Genauigkeit angegeben werden zu können.Einen verhältnismäßig großen Parallaxenwert von nahezu einerhalben Bogensekunde hat 1894 H. S. Davis aus älteren Beob-achtungen L. M. Ruth er fürds (geb. 1816) abgeleitet. Im all-gemeinen wird jedoch, wie wieder in allerneuester Zeit B. Peters(geb. 18S3) Kontrollieruugsarbeit lehrte, an der Thatsache festzu-halten sein, daß die Entfernung der Fixsterne von unseremSonnensysteme durchweg eine ganz ungeheuer große ist.Und daran ist auch durch die wissenschaftlich überaus erfreuliche,im nächsten Abschnitte darzulegende Erweiterung und Vervoll-kommnung der astrophysikalischen Hilfsmittel nichts geändertworden. Schließt man, von unseren bisherigen Kenntnissen aus-gehend, auf die Distanz der entferntesten Objekte, die ein Teleskopallerersten Ranges gerade noch erkennen läßt, so findet man, daßdas Licht viele tausend Jahre nach W. Herschel sogarbis zwei Millionen Jahre braucht, um von dort zu uns zugelangen. Gäbe es dort denkende Wesen mit ungemein verfeinerterSinneskraft, so würden sie durch das von unserem Planeten ihremWohngestirne zugeschickte Licht über die einzelnen Phasen derErdgeschichte und, falls minder weit entfernt, der Menschengeschichteunterrichtet werden.

So erscheint das Weltsystem, dem die Erde als ein sehr un-scheinbarer Bestandteil angehört, als ein winziges Jnselchen im un-endlichen Weltraume, der mit zahllosen anderen, teilweise wohlweit größereu Inseln durchsetzt ist. Die von W. nnd I. Herschelherrührenden Ansichten über den relativen Ort, den unser Sonnen-system einnimmt, hat man in der Hauptsache gebilligt, undR. A. Proctor (geb. 1857) machte in seinem geistreichen, wennauch vielleicht etwas zu phantasievollen Werke von 1878 (OtllsrMorläs tllau ours") sogar sehr energische Versuche, der Sonnenebst ihrem Anhange einen bestimmten Platz gegenüber der Milch-straße anzuweisen. Letztere denkt er sich als massiven, in mehrerenSchichten aufgebauten Sternenring mit eigentümlichen Durch-bohrungen, als deren (Tunnel-)Öffnnngen wir Menschen jenevöllig sternarmen Gegenden des Südhimmels vor uns sehen, die