Augenblicklicher Stand der Asteroidenforschung.
411
Die Bahnen der Planetoiden verschlingen sich in VerwickelteilKombinationen; es besteht nach L. d'Arrest (1822—187S) eineeigentliche Bahn Verkettung. Die Ansicht D. Kirkwoods (geb.1814), daß ein dereinst vorhandener, massiger Planet in eine grvßeAnzahl von kosmischen Splittern auseinandergeborsten sei, hat dasBedenken gegen sich, daß nicht, wie es doch in solchem Falle er-wartet werden müßte, sämtliche Bahnen annähernd durch denselbenPnnkt des Raumes hindurchgehen. In neuester Zeit sind vonA. Svedstrup, I. Glauser (geb. 1844), E. Liais (geb. 182ö)und L. Cruls (geb. 1848) weitere Untersuchungen über die räum-liche Verteilung der kleinen Planeten vorgenommen worden.H.P.Harzer (geb. 1857) berechnet aus den auf den Mars ausgeübtenPerturbatiouen die Gesamtmasse aller Asteroiden auf etwa das1^ fache der Marsmasse selbst, und da Berberich die Gesamt-masse aller zur Zeit bekannten kleinen Planeten sehr viel niedrigerschätzen zu sollen glaubt, so wäre daraus der Schluß zu ziehen,daß es deren noch weit mehr giebt, als wir heute vermuten, sodaß also dein 20. Jahrhundert in Bezug ans die Erkundung desZwischenraumes zwischen Mars und Jupiter noch eine ziemlichgroße Aufgabe zu lösen übrig zu bleiben scheint. Dies gilt ins-besondere auch von gewissen Formen dieser winzigen Weltkörper,die, wie es den Anschein hat, G. Witt im August 1898 mittelst derphotographischen Platte von ihren Genossen loszulösen verstanden hat.Berberich zeigte, daß die Umlaufszeit eines solchen Asteroiden, dervon seinem Entdecker Eros getanft ward, kürzer als die des Mars ist,und daß er der Erde bis auf etwa 20 Millionen Kilometer nahekommen kann. Von den Bahnlinien der übrigen kleinen Planeten
scheint bloß diejenige von (^228^ — Agathe — die Erosbahn zu
kreuzen. Es liegen Gründe zu der Annahme vor, daß mit derZeit noch mehr Wandelsterne nachgewiesen werden können, diegänzlich zwischen Erde und Mars ihre Umwälzung um die Sonnevollziehen.
Über Jupiter hat uns die neueste Zeit manch neuen Aus-schluß gebracht, allem man darf sagen, daß alle die betreffendenErrungenschaften fast einzig auf Rechnung der Astrophysik zu setzen