Astrophotographie.
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Höhe 90", d. h. also auf eine angenommene Zenitalstellung, zu be-ziehen; denn nur in diesem Falle kommt das uns zugesandte Lichtzur vollen Geltung, weil hier die Absorption in der Luft, die so-genanute Extinktion, ihren relativ kleinsten Wert annimmt. Jetzterst, nachdem Festsetzungen, wie diejenigen von Cambridge undPotsdam , vorliegen, ist die Möglichkeit zu genauen und unter sichvergleichbaren Studien über veränderliche Sterne gegeben. Einepräzise Bestimmung der Helligkeitsverhältnisse muß aber weiterhinauch, wie Seeliger dargethau hat, als erste Voraussetzung fürwirklich verlässige Sternaichungen angesehen werden, wie solcheunserem fünften Abschnitte zufolge von den beiden Herschel u. a.vorgenommen worden sind. Auf Grund der vorhandenen photo-metrischen Durchmusterungen läßt sich jetzt schou mit ziemlicherSicherheit aussageu, daß die nahe liegende ältere Annahme, wo-nach in jeder Richtung, falls nicht angebliche Lichtauslöschungim Weltenraume stattfände, ein Stern zu sehen wäre, nichtzutrifft, sondern daß die Gesamtheit der erkennbaren Fixsterne —von den Nebelflecken muß dies dahingestellt bleiben — als ein in sichabgeschlossenes System aufzufassen ist, dessen Grenzen 500 bis1100 Siriusweiten von unserem eigenen, ein winziges Jnselchen indiesem Sternenmeere repräsentierenden Sonnensysteme entsernt seindürften.
Zu den Machtmitteln, über welche die Astrophysik seit einerReihe von Jahrzehnten verfügte, gehört an zweiter Stelle dieAstrophotographie. Die chemisch präparierte Platte ist nochsehr empfindlich gegen Strahlen, welche auf der menschlichen Netz-haut gar keine Wirkung mehr hervorbringen, und die Eindrücke,die sie einmal empfangen hat, verbleiben ihr dauernd und lassensich sixiereu. Es mußte mithin, nachdem Daguerre und Talbot,wie wir im achten Abschnitte erfuhren, die Kunst, Lichtbilder an-zufertigen, bereits bis zu einer gewisseu Vollkommenheit gebrachthatten, der Wunsch entstehen, auch von astronomischen Objektensolche Abbildungen zn erzielen, aber derselbe wollte sich anfänglichnicht recht verwirklichen lassen. Arago brachte in den vierzigerJahren ein Bild der Mondsichel auf Chlorsilber zuwege, alleindieser Fall stand fürs erste vereinzelt da. Gelungenere Versuche
Günther, Anorganische Naturwissenschaften. 29